Lesermeinung - Gehirn und Geist

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
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  • Heidelberger Patientenkollektiv (SPK)

    20.04.2015, Paul R. Woods
    Sehr geehrter Herr Dr. Forsbach,
    Ich weis nicht, ob ein Teil des Hintergrundmaterials, dass Sie für Ihr angeführte Buch verwendet haben, auch Franz Fanon "Die Verdammten dieser Erde" (rororo) umfasst. Jedoch hat dieses Werk viele zum Irrglauben gebracht, dass die wirklich Marginalisierten (auch als "Lumpenproletariat" bezeichnet) auch wirklich zum bewaffneten Kampf bereit wären.
    Das SPK (aus Wiesloch) kann daher nicht isoliert als Gefolge der RAF betrachtet werden. Es gab in der gesamten Bundesrepublik lokale Gruppen, die sich als Teil der Sozialistischen Randgruppenbewegung verstanden. Und nicht alle waren damit einverstanden, dass das "Schweinesystem" mit Waffengewalt bekämpft werden sollte.
    Ich habe damals in Göttingen bei einer Randgruppenkonferenz darauf hingewiesen, dass die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten oder auch "soziale Randgruppen" vielfach reine Opportunisten sind, die jedem nachlaufen, der ihnen etwas anbietet. Das damalige Angebot war, dass man den Staat und seine Organe mit Waffengewalt umwandeln könne. Was dabei zumeist übersehen wurde, ist dass es in der Bundesrepublik keine vorrevolutionäre Situation gab, es der werktätigen Bevölkerung so gut ging wie nicht zuvor und dass die Menschen das auch wussten.
    Mein Voraussage, dass der Staat jede bewaffnete Rebellion brutal begegnen würde und die Beteiligten "zerquetschen wird" (meine damaligen Worte), hat sich dann auch als zutreffend erwiesen.
    Ich bin noch 1974 von einer RAF-Angehörigen dafür scharf angegriffen worden, dass ich den SSK (Sozialpädagogische Sondermassnahmen Köln, später Sozialistische Selbsthilfe Köln) aus dieser Bewaffnungskampagne herausgehalten habe.
    Als persönlichen Erfolg aus jener Zeit sehe ich allerdings die Änderung der Sozialgesetzgebung, die alle Insassen in Einrichtungen, die dort zu Tätigkeiten angehalten wurden, die einem Beschäftigungsverhältnis ähneln, in die gesetzliche Sozialversicherung aufzunehmen sind, was u.a. auf meine Initiative hin erfolgte, wie mir ein Schreiben der SPD-Bundestagsfraktion mitteilte.
    Als ehemaliges Heimkind mit mehr als 10,5 Jahre Waisenhaus/geschlossener Fürsorge und zusammengefasst annähernd 6 Monate auf der Straße gelebt habend, weis ich aber auch, wie gut es tut, mal nicht vor der Polizei wegzulaufen. Der Schritt zur Waffe war für viele Straßenkinder damals leider nur ein kleiner.
  • Physik schließt Freien Wille aus

    15.04.2015, R.H.
    Es gibt keinerlei Freien Willen.

    Jede Art von Handlung oder Ablauf in diesem Universum UNTERLIEGT der Thermodynamik.

    Das schließt nicht nur das konsequente Herabrollen von Steinen mit ein, sondern das Selbe gilt auch für jeden Handlungsablauf eines scheinbar bewusst oder willentlich handelnden Menschen.

    Es gibt drei Urherkünfte einer jeden Handlung, eines jeden Handlungsablaufes:

    1. jeder Handlungsablauf entspringt einer vorhergegangenen energetisch definierbaren Situation.

    D.h.: jede Handlung hat als Ursache eine vorhergehende energetische Konstellation. Diese liegt sowohl vor in der Situation UM ein entscheidendes Individuum herum, als auch in der daraus entstandenen neuronal energetischen Situation IN seinem Gehirn, da jedes Gehirn die Umgebungsabhängigkeiten konsequent neuronal virtualisiert.

    Das bedeutet, dass erst nach der Entstehung einer von Gehirn registrierten Ursituation ein genetisch gelenkter Rechenprozess abläuft, der dafür sorgt, dass wir uns beispielsweise von einer Gefahr entfernen, oder auf eine Person zugehen, um mit ihr zu reden.

    Erst wenn dieser aus einer Umgebungskonstellation entstandene neuronale Rechenprozess so abgeschlossen ist, dass er zu einer genetisch sinnvollen Handlung führen kann, werden entsprechende Signale in die Bewusstheitszentren geleitet, und zwar zu dem Hauptzweck, noch nötige Kommunikationen mit der Umgebung einzuleiten und durchzuführen.

    Ist keine Abstimmungskommunikation zum Handeln nötig, handeln wir auch nicht bewusst, indem wir uns vorher überlegen, was wir tun sollen, sondern registrieren bestenfalls, welche Handlungen aus uns hervortreten.


    2. Jede Art von weltlicher Handlung ist nur wenig deterministisch.
    Ohne auf die dazu vorliegenden Gründe genauer einzugehen, besteht jeder energetische und ebenso neuronale Vorgang immer aus einem größeren Anteil an Zufällen, da alleine biochemisch keinerlei deterministische Abläufe ermöglichen können.

    Deshalb sind alle biochemischen, mechanischen, allgemein energetischen, Abläufe zu einem Teil IMMER indeterministisch.

    Für eine Psyche, für ein Handeln, bedeutet dies, dass jeglicher Wille, etwas in einer vorher bestimmten Weise zu tun, grundsätzlich nicht so durchgeführt werden kann, wie jeder Konstruktör und jeder Fussballer jederzeit feststellt, weshalb Versuch und Irrtum Realität sind.

    Das hat für einen EIGENEN/FREIEN Willen die Konsequenz, dass dieser niemals stattfinden kann, da sich niemals ein freier Wille umsetzen lassen kann, da jede Art zufälliger Konstellation letztlich immer auf der Thermodynamik beruht, die die Ursache von immer wechselnder Treffsicherheit des Fussballers oder des Konstruktörs ist.


    3. Die genetische Konstruktion der Lebewesen beinhaltet aber nun, entsprechend langer bewährter genetischer Auslese, dass dieser Indeterminismusfaktor (thermod. Zufall) Bestandteil aller Entscheidungsprozesse geworden ist.

    D.h.: Entscheidet ein Individuum, gehört zu seiner Entscheidung auch immer die Entscheidung zur Zufallswahl, also einem Faktor, der einen Teil der (thermodynamisch entstandenen) scheinbar geplanten Handlungsabfolgen offenlässt, so das zufällige Variationen in den Handlungsabläufen nicht nur akzeptiert werden, sondern Teil des Handlungsablaufes werden.

    Genau daraus sind auch ALLE Formen strategischen Handelns entstanden, in der Form, dass nach jedem Handlungsschritt, variable zu entscheidende, weitere Systemabläufe möglich und gewünscht sind, was einen erheblichen Teil des scheinbar willentlichen, angeblich bewussten, Verhaltens ausmacht.


    Schaut man genauer die obigen Punkte an, erkennt man, dass NIEMALS per Willen entschieden wird, da doch andernfalls die Thermodynamik außer Kraft gesetzt sein müsste.

    Dennoch entstehen Handlungsabläufe, die von einem Individuum auszugehen scheinen, was die Menschen bis heute zu der Annahme gebracht hat, dass Handlung per Wollen von diesen ausginge.

    Tatsächlich unterliegt nur jedes Individuum im selben Maße, wie jeder Stein oder Wassertropfen, der Thermodynamik, und ist selber nur Bestandteil eines ineinander greifenden thermod. Gesamtablaufes, in dem jedes Objekt zwar diesen Ablauf an und in sich selber (sensorisch) erlebt, aber dennoch niemals der Handler dabei sein kann.

    Die einzige Freiheit, die ein solches Wesen scheinbar hat, ist eben, entsprechend Punkt 3., die Zufallswahl, was neuronal vielfältig verwirklicht ist, und die einzige Freiheit von Logischen Determinismus bedeutet, was aber dennoch nicht auf Freiheit / Wille beruht, da auch die Zufallswahl nicht vom Individuum eingeleitet und getroffen wird, sondern Bestandteil des Logischen thermod. Gesamtablaufs ist.
  • Selbstbezüglich

    12.04.2015, Manfred Bartel
    Der gewählte Titel ist in diesem Falle sehr selbstbezüglich. Herr Spitzer ist ein begnadeter Vertreter des Ego-Marketing, dass kann ihm keiner nehmen. Viele seiner populistischen Aussagen werden von einem ausreichend großen Publikum begeistert aufgenommen - von den Neurologie- und Kognitionsforschern hingegen eher gemieden. Es ist sehr angenehm, dass hier keine Gefälligkeitsrezension angeboten wird.
  • Welche Freiheit?

    10.04.2015, Ulrich heemann
    Wenn man die Auffassung vertritt, dass man über einen freien Willen verfügt, muss man zunächst die Frage beantworten, wie ein freier Wille angesichts sonstiger deterministischer Prozesse in der Physik, die auch unseren Körper und unser Gehirn festlegen, überhaupt möglich ist.
    Der häufig anzutreffende Verweis auf z.B. quantenmechanische Prozesse (nicht in obigem Artikel), die eine gewisse Freiheit gewähren, beruht ausschließlich auf Unkenntnis der Natur der Quantenmechanik (QM). Eine als grundlegend akzeptierte Eigenschaft der QM besteht darin, das Informationen niemals verloren gehen können. Das bedeutet, dass trotz aller sogenannter Zufallsereignisse ein deterministischer Prozess vorliegt, auch wenn wir gewisse Eigenarten der QM noch nicht richtig verstanden haben. Aber auch ohne diese Erkenntnis würde der freie Wille im Zusammenhang mit der QM erfordern, dass wir willentliche Gewalt über die Bewegung von z.B. Elektronen oder Ionen hätten, die die neuronalen Prozesse der Entscheidungsfindung steuern, um auf diese Weise unseren Willen umzusetzen. Ein absurder Gedanke!

    Wenn also eine befriedigende Antwort auf den Widerspruch von Freiheit und Determinismus nicht gegeben werden kann (was ich hiermit unterstelle), sind auch die Untersuchungen von Libet et al. hinsichtlich dieser Frage letztlich bedeutungslos. Eindeutig aber sind wir keine „unverursachten Verursacher“. Wäre dem so, bräuchten wir uns nicht die Mühe zu machen, unsere Kinder nicht nur zu ernähren und zu kleiden, sondern auch noch zu erziehen. Wir sind nicht nur das Objekt unserer Erziehung und weiterer Einflüsse unserer sozialen Umwelt (allgemeiner: der Kultur) sowie prägender Ereignisse anderer Art (Unfall, Krankeit, Verlust etc.), sondern auch unserer Gene, die uns i.d.R. nicht erlauben, ein großes Vorbild zu kopieren, obwohl wir es gerne möchten. Wir können, wenn wir besonders empfänglich für Angst auslösende Botenstoffe sind, unsere Ängste nicht einfach überwinden – es sei denn, wir verfügen über andere Eigenschaften (z.B. einen überragenden Intellekt), die uns andere Verhaltensweisen erlauben. Unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen können wir uns nicht mehr so verhalten, wie wir es bei klarem Verstand täten. Und wer möchte einem schwer Drogenabhängigen schon vorwerfen, dass er seinen freien Willen nicht nutze. Wie aber kann man, wenn man einer derartigen Person zugesteht, dass sie nicht Herr des eigenen Willens sei (worüber z.B. vor Gericht mit einschneidenden Konsequenzen geurteilt wird), noch das Prinzip des freien Willens hochhalten, wenn dieser einem doch genommen werden kann? – Hat derjenige ihn freiwillig aufgegeben?

    Man stelle sich 10 halb verdurstete Menschen in der Wüste vor, die auf eine Karawane stoßen und von deren Leiter erfahren, dass diese auf dem Weg von der 10 km zurück liegenden Stadt A zur noch 20 km entfernten Stadt B sei. Ein Mitnehmen der geschwächten Personen sei aber aus Zeitgründen nicht möglich. Wohin werden sich die 10 Personen wenden? Alles spricht dafür, die kürzere Strecke zu nehmen und tatsächlich entscheiden sich auch 8 davon in dieser Weise. Spricht das für eine freie Willensentscheidung, wenn alle die gleiche Entscheidung treffen?
    Was aber mit den beiden anderen? Zeigt sich bei Ihnen ein freier Wille? Nein, denn der Eine will unbedingt zu seiner Frau, die er krank in B weiß, was für ihn einen anderen wichtigeren Beweggrund bedeutet. Und der Zweite hat nicht verstanden, dass die Karawane noch den größten Teil des Weges vor sich hat und keine Rücksicht auf ihn nehmen wird. Sicher ist, unter gleichen Bedingungen inkl. des Informationsstandes hätten alle in gleicher Weise gehandelt. In Kenntnis dieser jeweiligen Umstände und der eigenen Wichtungen (z.B. Liebe zur Frau oder eben nicht) hätte man den Entscheidungsprozess auch einfach einem geeigneten Computerprogramm überlassen können mit gleichem Ergebnis! Wird man jetzt auch dem Computer einen freien Willen unterstellen, weil er unter anderen Randbedingungen auch anders entscheiden würde?

    Einen freien Willen unterstellen Philosophen sicher eher intelligenten Wesen als neuronal einfacheren Strukturen, denen man im Grenzfall ein reines Reiz-Reaktions-Muster als Grundlage des Handelns unterstellt. Tatsache ist, dass gerade intelligente Menschen mit wachsendem Informationsstand und – das ist hier natürlich wichtig – gleicher Interessenlage zu gleichen oder doch ähnlichen Entschlüssen kommen. Mental weniger befähigte Wesen werden hingegen zu immer unterschiedlicheren Ergebnissen kommen, da sie die bestehenden Informationen ggf. nicht adäquat bewerten können – oder aber auch zum gleichen einfachen, wenngleich häufig falschen Ergebnis (das bezieht sich auf Menschen mit einfachen Denkschemata ebenso wie z.B. auf die Maus in der Mausefalle). Mit freiem Willen hat beides nichts zu tun.

    Abschließend eine Bemerkung, die eigentlich an den Anfang gehört hätte: Wie soll man freien Willen eigentlich definieren? Mir ist noch keine Definition vorgelegt worden (von schwammigen, eindeutig emotional oder auch religiös getränkten Sichtweisen einmal ganz abgesehen), die überhaupt als wissenschaftlich fassbar gelten könnten. Alle mir bekannten Definitionen führen in der einen oder anderen Weise (s.o.) zu einem Widerspruch und gelten damit als wissenschaftlich widerlegt! Aber ich warte gern auf einen neuen Vorschlag.
  • Das Ich-Bewußtsein - oder wo sind Geist und Seele versteckt ?

    10.04.2015, Horst I. Decker
    Marcus du Sautoy, ein Mathematik-Professor der Oxford- University unternimmt eine Reise in die Tiefen seines eigenen Gehirns.
    (...) Der letzte Akt seiner Selbsterkenntnistour führte Marcus du Sautoy in die Charité, Berlin, um der Frage , welche die Philosophie und die Sozialwissenschaften immer noch umtreibt, nachzugehen: Lässt mein Bewusstsein einen freien Willen zu oder ist es gar eine Voraussetzung dafür? Dazu eine Szenerie, die Besucher einer Sushi-Bar immer wieder erleben: Man sitzt an der Bar, die leckersten Sushis ziehen auf dem kleinen Förderband an einem vorüber und man entscheidet sich fallweise worauf man Lust verspürt. Diese Situation kann als Ausdruck des Prinzips Ursache und Wirkung gelten, welches aus Sicht der Naturwissenschaften einem freien Willen entgegensteht. Der Gast in der Sushi-Bar glaubt er könne nach freien Willen entscheiden was er essen möchte. Dass dem nicht so ist – unglaublich, aber wahr - zeigt der Beweis während einer Untersuchung mit Hilfe der MRT (Magnetresonanztomographie). Der Proband in der Röhre erhält in jede Hand ein Gerät, mit welchem er mittels zweier Knöpfe nach einem sinnlichen Reiz ein akustisches Signal auslösen kann. Zeitpunkt des Drückens und Wahl des rechten oder linken Knopfes ist dem Probanden bei freier Wahl überlassen. Das Ergebnis ist je nach Temperament der Versuchsperson verblüffend, frappierend, einen umhauend, wie man umgangssprachlich formulieren könnte, denn die Testauswertung anhand von MRT-Bildern zeigt, dass in der betreffenden Gehirnregion bereits sechs Sekunden(!) vor der Betätigung des Druckknopfes das Gehirn entschieden hatte, welcher Knopf gedrückt werden wird. Sechs Sekunden bevor die Versuchsperson den Knopf nach ihrer freien Wahl, wie die Person glaubte, drückte, zeigte das Gehirn durch entsprechende Aktivitäten in den betreffenden Gehirnregionen an, welcher Knopf in exakt sechs Sekunden gedrückt werden wird. Die zu treffende Entscheidung ist dem Gehirn schon bekannt bevor sie dann tatsächlich getroffen wird. Das heißt: Die bewusste Entscheidung hinkt der entsprechenden Gehirnaktivität hinterher. Das heißt auch, dass wir nicht unser Gehirn steuern, sondern unser Gehirn steuert uns. Aufgrund der Wahrnehmung (neuronale Prozesse) wird das Gehirn aktiv und steuert oder veranlasst die darauf folgende Entscheidung oder: Eine unbewusste Gehirnaktivität löst die Entscheidung aus und unser Bewusstsein nimmt erst in der letzten Phase dieses Prozesses an der Entscheidung teil. Unser Bewusstsein ist in unserer Gehirnaktivitäten eingebettet und ein Teil von ihr oder alternativ formuliert: Unsere Gehirnaktivität produziert Bewusstsein und keinesfalls umgekehrt, wie wir bisher dachten. Auch unsere unbewussten Gehirnaktivitäten sind ein Teil von uns, ein Teil unseres Ichs. Es existieren keine zwei verschiedenen Entitäten, beides, Unterbewusstsein und Bewusstsein, sind Teile eines einzigen physikalischen Prozesses. Unser Bewusstsein ist unsere Gehirnaktivität und die bestimmt unser Leben. Wie einst die Forscher mit ihren Teleskopen in den Weltraum schauten, so schauen heute Neurowissenschaftler mit dem MRT und den weiterentwickelten High-End-Geräten, die kommen werden, in unser Gehirn. Welche Konsequenzen können sich aus dieser Erkenntnis für unser Leben als Individuum, für unsere pluralistische, sozio-kulturelle Gesellschaft ergeben? Werden wir steuerbar werden?
    (Dieser Text ist ein Auszug aus einem von mir verfassten Essay, den ich hier gerne zur Diskussion stelle)
  • bewusst-los

    10.04.2015, reibe
    schön, dass die neuro-philosophen nun nach "ca. 30 jahren" wieder am anfang der diskussion angekommen sind. vielleicht hätte man damals bereits auf den gedanken kommen können, dass unser gehirn für seine entscheidung auch zuerst mal so eine art "vorstellung" von den handlungsmöglichkeiten benötigt, also muster zwischen denen (oder eines für das) es sich entscheiden kann - und dass dieses muster der tatsächlichen und später resultierenden hirnaktivität ähneln sollte, dürfte trivial sein.
    also: nochmal zurück auf los und eventuell wird ja in den nächsten 30 jahren daraus eine "ernst zunehmende" wissenschaft, wäre jedenfalls zu wünschen.
  • Leiden

    10.04.2015, J. Gt
    Was im Artikel deutlich zu kurz kommt: es wird das Leiden der Betroffenen (überwiegend Frauen) zwar mehr oder minder kurz geschildert. Viel extremer ist aber das Leid für den Partner.
    Was tun, wenn man seinen Partner eigentlich nicht betrügen will, aber vom sexuell lustlosen Partner quasi dazu gezwungen wird, ein sexfreies Leben zu führen?
    Die Partnerschaftsprobleme die hier angesprochen worden sind, sind viel größer und daher wären sie das eigentliche Thema gewesen, welches es zu beleuchten gibt. Derjenige, der das sexuelle Interesse größtenteils verloren hat, leidet meist nicht direkt darunter, sondern "nur" unter den Folgeproblemen.
    Erzwungene sexuelle Enthaltsamkeit geht meist irgendwann schief im Sinne von zerbrechenden Partnerschaften und / oder mehreren oder langjährigen Affairen. Wird dann eine Schuldfrage gestellt, trifft diese immer den "betrügenden" Partner - ein Phänomen.
  • Libet-Experiment: Traum

    09.04.2015, Kai Hiltmann
    Ich hatte vor einiger Zeit einen Traum, der mit dem Thema zusammenhängt und der mich noch im Schlaf überrascht hat, so dass ich ihn nicht vergaß:

    Ich saß mit einem Freund am Tisch, und der Freund sagte zu mir "mach mal eine Minute nichts!" Gar nichts tun ist schwierig, und so bereitete ich mich im Traum auf eine kurze Zen-Meditation vor. Während ich mich noch bemühte, alle Gedanken abzuschalten, sah ich, wie mein Freund die Hand in Richtung auf ein auf dem Tisch liegendes Blatt Papier ausstreckte. Da traf mich die Erleuchtung -- ich griff nach dem Blatt, faltete es zweimal, riss eine Ecke ab und faltete das Blatt -- nun mit Loch -- wieder auf. Ich hatte ein Loch, also ein Nichts in einem Material erzeugt, und das war ein offensichtlich stärkeres Nichts als keine Gedanken zu haben.

    Was mich nun überraschte, ist, dass ich im Traum offensichtlich die Idee, das Loch zu erzeugen, erst nicht hatte -- ich hatte definitiv erst einen anderen Weg verfolgt -- und sie mir erst im Lauf des Traumes kam. Da es sich aber um meinen eigenen Traum handelte, muss die Idee (im geträumten Freund) schon von Anfang an vorhanden gewesen sein. Offensichtlich denkt unser Gehirn also auf verschiedenen Ebenen, die nicht unbedingt von einander wissen.
  • aktueller neuronaler Zustand entscheidet mit

    09.04.2015, Kinseher Richard
    Experimente mit einem ´roundwurm´ zeigten, dass der aktuelle Zustand bestimmter Neuronen zu dem Zeitpunkt, als ein neuer Reiz wahrgenommen wurde - über die Folge-Reaktion auf diesen Reiz mit entscheidet: Dies bedeutet, dass für völlig unterschiedliche Handlungen nach einem Reiz nicht unbedingt eine freie Willensentscheidung notwendig ist.
    (DOI: 10.1016/j.cell.2015.02.018 feedback from network states generates variability in a probabilistic olfactory circuit - - www.sciencedaily.com/releases/2015/ 03/150313110402.htm Free will? Analysis of worm neurons suggest how a single stimulus can trigger different responses)

    Denken - und sogar Kreativität - lässt sich auch vollständig als systematische Mustervergleichsaktivität mit nur 3 einfachen Regeln beschreiben (DOI: 10.5281/zenodo.15525). Demnach müsste Denken/Kreativität kein schöpferischer Akt auf Basis eines freien Willens sein.
    Geht man zusätzlich davon aus, dass das Gehirn in Parallelverarbeitung nach Regeln des Schwarmverhaltens arbeitet - dann würde dies auch noch seine Schnelligkeit erklären.
  • lahmer Rechner, hoch Performanz

    09.04.2015, Weiche
    Als ich damals, erstmals von dem Experiment, im Spektrum las, ärgerte ich mich umgehend über seine Deutung. - Ich auf einem digitalen Rechner einen Entscheidungsprozess modellieren soll, der zwischen verschiedenen Varianten unterscheiden muss, unter Zeitdruck passiert und aber auf parallelen Maschinen abgearbeitet werden kann, dann werde ich Modellabläufe verteilen und im Abschluss mich für eine Variante entscheiden. Sicher tut unser Gehirn dies nicht in der selben weise. Aber vorbereitenden Tätigkeiten vor einer Entscheidung wären nahe liegend.
    Und dann sei mal die Frage erlaubt, wozu könnte sich ein Bewusstsein, denn überhaupt entwickelt haben. Nehmen wir mal das Fahrradfahren. Wenn man es lernt, sind einem viele Vorgänge, Lenker bewegen, Pedale treten, Körper balancieren höchst bewusst und das klappt nicht richtig, weil langsam. In dem Moment, wo wir nicht mehr richtig darüber nachdenken müssen, fahren wir. Das Bewusstsein hat auf viele Dinge Zugriff und kann Probleme lösen, an denen wir sonst scheiterten. Aber es dauerhaft dafür zu nutzen wäre dumm, weil wir zu langsam wären. Deshalb werden viele Dinge "automatisiert", nicht nur beim Fahrradfahren, auch komplexe Gedankenketten werden so beschleunigt. Das ist so ähnlich wie niemand andauernd zur Nullstellenbestimmung bei Parabeln die "pq-Formel" herleitet. Er nutzt sie. Also ja, wir entscheiden Dinge auch unbewusst und sicher auch auf Basis von Prozessen, die sich etabliert haben, ohne je bewusst gewesen zu sein. Weil das reichte, aber es nicht reichte, dann ging das ganze über das Bewusstsein, weil es das kann oder könnte.
  • Soziale Kompetenz

    06.04.2015, Christian
    Ich stimme "Neu" nur zum Teil zu denn Geld schützt nicht vor Depressionen! Geld spielt nur insofern eine Rolle, da einige Menschen ihre Wertigkeit über ihr materielles Vermögen definieren und ihre Umgebung dementsprechend behandeln. Eine generelle Aussage, welche Umstände zu einer Depression führen, wird sich wohl nie genau treffen lassen.
    In meiner mehrjährigen Tätigkeit als Betriebsratsmitglied habe ich jedoch die Erfahrung gemacht, dass es vielen Verantwortungsträgern (Gruppenleitern, Abteilungsleitern, Managern) in erster Linie an "sozialer Kompetenz" schlichtweg fehlt. Diese Tatsache gepaart mit einem schwachen Management ist der ideale Nährboden für psychische Erkrankungen, ausgehend vom Arbeitsplatz.
    Wenn man durch eine Reihe von Schicksalsschlägen in eine Depression verfällt ist das schwer zu beeinflussen und hat auch nichts mit Problemen in der Kindheit zu tun. Wir Alle können jedoch, durch unseren Umgang mit unserem unmittelbaren Umfeld, dies jedoch sehr wohl beeinflussen und steuern. Soziale Kompetenz kann ich nicht in einem dreitägigen Wochenendseminar erlernen! Respekt und Wertschätzung in einer Abteilung, Gruppe oder in einem Betrieb hat eine Präventivwirkung auf die Psyche der Menschen die in diesem Betrieb arbeiten. Leider schreiben sich viele Firmen „Respekt und Wertschätzung“ gerne auf ihre Vision, nähren jedoch durch ihre soziale Inkompetenz das Gegenteil.
  • Wenn Daten und Schlussfolgerungen auseinanderklaffen

    04.04.2015, Gert Westermann
    Wenn man den Originalartikel in Science liest, muss man leider feststellen, dass die erhobenen Daten gar nicht die Schlussfolgerung zulassen, dass Kinder besser in einer Überraschungssituation gelernt haben. Was die Daten klar zeigen ist, dass sich die Babys nach einer Überaschung vermehrt dem anderen Spielzeug zuwendeten. Dafür, dass sie etwas über den Ton, den das Objekt machte, lernten, gibt es keinen Hinweis.
  • Sind wir alle eingebildete Kranke?

    03.04.2015, Regine Schmitt
    Von Autoren wie Susanne Schäfer ignoriert, bestätigen zahlreiche kleine Studien in der Vergangenheit mögliche Zusammenhänge zwischen Weizen und
    Schizophrenie, depressiven Störungen, ADHS und Autismus. Ergebnisse neuerer Studien zeigen ebenso, dass Gluten als Trigger von Autoimmunerkrankungen wie Typ I Diabetes oder Hashimoto Thyreoiditis diskutiert werden muss.

    Würden Journalisten etwas sorgfältiger recherchieren, würde den Studien vielleicht die Aufmerksamkeit zuteil, die sie verdienen. So aber findet man aktuell nur ein paar einseitig-negative Artikel über "angebliche" Lebensmittelunverträglichkeiten im Zusammenhang mit Gluten, Laktose & Co. Statt diese zu diskutieren oder kritisch zu hinterfragen, scheinen sie vielen Medien allererst dazu zu dienen, die eigene einseitige Meinungsmache zu bewerben.

    Jeder unbedarfte Leser, der sich primär über Online-Medien informiert, muss glatt denken, dass sich die meisten Menschen ihre Nahrungsmittelunverträglichkeiten lediglich einbilden ohne wirklich krank zu sein. Ein Blick auf aktuelle Forschungsergebnisse spricht da jedoch eine gänzlich andere Sprache.
  • Sehr gutes Statement

    02.04.2015, Kirsten Schmidt
    Sehr schön formuliert, Herr Dr. von Hirschhausen!
  • Strebetendenz-Theorie: Warum klingt Moll traurig?

    02.04.2015, Bernd Willimek
    Strebetendenz-Theorie: Warum klingt Moll traurig?

    Die Strebetendenz-Theorie sagt, dass Musik überhaupt keine Emotionen vermitteln kann, sondern nur Willensvorgänge, mit denen sich der Musikhörer identifiziert. Beim Vorgang der Identifikation werden die Willensvorgänge dann mit Emotionen gefärbt.

    Bei einem Durakkord identifiziert sich der Hörer mit dem Willensinhalt "ja, ich will!", bei einem Mollakkord mit dem Willensinhalt "ich will nicht mehr!". Der Willensinhalt "ich will nicht mehr!" kann als traurig oder als wütend erfahren werden, je nachdem, ob ein Mollakkord leise oder laut gespielt wird. Wir unterscheiden hier genauso, wie wir unterscheiden würden, wenn jemand die die Worte "ich will nicht mehr!" einmal leise flüstert und einmal laut herausschreit. Im ersten Fall klängen sie traurig, im zweiten wütend.

    Auf ähnliche Weise kann die Strebetendenz-Theorie die Wirkungen anderer Harmonien erklären. Zur Strebetendenz-Theorie gibt es jetzt einen Wikipedia-Eintrag:
    http://www.de.wikipedia.org/wiki/Strebetendenz-Theorie
    und einen Artikel im neuen Musikforum des Deutschen Kulturrats auf Seite 52:
    http://www.kulturrat.de/dokumente/MuFo-01-2015.pdf
    Bernd Willimek
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