Warum das Buch "Hals über Kopf" heißt, bleibt rätselhaft. Die Redewendung bedeutet so viel wie "hastig, überstürzt, planlos", und das hat mit dem Inhalt – der Physik des menschlichen Körpers – reichlich wenig zu tun. Der Titel der englischen Originalausgabe, "Physics of the Human Body", beschreibt viel treffender, worum es in dem Werk eigentlich geht.

Autor Richard P. McCall arbeitet als Professor für Physik am St. Louis College of Pharmacy im US-Bundesstaat Missouri. Mit seinem Buch wendet er sich an Schüler, Studenten und Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Um einen möglichst hohen Grad an Verständlichkeit zu erreichen, hält sich McCall bei fachlichen Details zurück, bringt nur die nötigsten Formeln und beschränkt sich beim Darstellen komplexer Zusammenhänge auf ein Minimum.

Das Themenspektrum entspricht einer klassischen Einführung in die Biophysik. McCall widmet sich unter anderem den Bewegungen des menschlichen Körpers und den Kräften und Drehmomenten, die dabei wirken. So erfährt der Leser, warum es besser ist, schwere Lasten aus der Hocke zu heben statt aus einer nach vorn gebeugten Haltung. Der Autor beschreibt auch Strömungen und Druckverhältnisse in den Organen, etwa den Blutkreislauf. Es dürfte viele Leser überraschen, dass man ein Blutgefäß nur um zehn Prozent seines Durchmessers weiten muss, um beinahe 50 Prozent mehr Blut durchzulassen. Ferner befasst sich der Physikprofessor mit den elektrischen Eigenschaften des Körpers, mit der elektrischen Signalweiterleitung entlang den Nerven und mit der Optik des Auges. Die Akustik des Sprechens und Hörens, die biologischen Auswirkungen von Kernstrahlung und die Verweildauer von Medikamenten im Körper runden sein Werk ab.

Wer an biophysikalischen Themen interessiert ist und sich eine leicht verständliche, sachliche Darstellung wünscht, wäre mit diesem Buch eigentlich gut beraten. Die minimalistischen Erläuterungen, die einfachen Abbildungen und die gut nachvollziehbaren Rechenbeispiele sind an sich sehr einsteigerfreundlich. Leider enthält das Buch jedoch zahlreiche Fehler, möglicherweise infolge der Übersetzung aus dem Amerikanischen ins Deutsche.

So ist im Text gelegentlich vom Durchmesser die Rede, obwohl eigentlich der Radius gemeint ist; dann wird der Druck eines Autoreifens mit 50 Atmosphären angegeben (richtig wären 2 bis 4 Atmosphären) und ein Newton mit 700 Kilopond gleichgesetzt (richtig wären 0,1 Kilopond). Auch ergibt sich der Druck nicht aus einer Masse pro Fläche, wie das Buch stellenweise behauptet, sondern aus einer Kraft pro Fläche. Das Einbringen von Fremdatomen in Halbleiter bezeichnet man außerdem als "Dotierung" und keineswegs als "Doping". Die Liste ließe sich noch fortsetzen.

Diese Schnitzer mindern den didaktischen Wert des Buchs natürlich erheblich. Schade, denn mit etwas mehr Sorgfalt wären solche Mängel leicht zu beheben gewesen. So aber kann man das Buch kaum empfehlen – gerade im Hinblick auf die anvisierte Zielgruppe, die eben nicht aus Fachleuten besteht und daher sicherlich Gefahr läuft, die fehlerhaften Passagen für bare Münze zu nehmen.