Vor einigen Jahren wandte sich die 24-jährige US-Studentin Mandy an eine psychologische Beratungsstelle ihrer Universität. Sie kaute so exzessiv an ihren Fingernägeln, dass sie ständig bluteten. Der Therapeut bat die Studentin, auf einer Karteikarte jedes Mal einen Eintrag zu machen, wenn sie in den Fingerspitzen eine Art Anspannung verspürte – den Auslösereiz für ihre schlechte Gewohnheit. Danach erhielt Mandy die Instruktion, in diesen Momenten mit ihren Händen etwas zu tun, was sie am Nägelkauen hinderte, zum Beispiel mit den Fingern auf den Schreibtisch zu klopfen. Nach nur vier Wochen gelang es ihr auf diese Weise, das Nägelkauen sein zu lassen.

Schlechte Gewohnheiten, so behauptet der amerikanische Wissenschaftsjournalist Charles Duhigg, ließen sich dadurch überwinden, dass man sie durch neue Automatismen ersetzt. Das allerdings funktioniere nur dann, wenn man von den drei Elementen jeder Gewohnheitsschleife – Auslösereiz, eingeschliffenes Verhalten und Belohnung – das erste und dritte beibehalte, das mittlere hingegen durch eine neue Routine ersetze.

Gewohnheiten entlasten das Gehirn, sie sparen viel Energie und Zeit. Laut Duhigg unterscheidet das Gehirn dabei allerdings nicht zwischen guten und schlechten. Es wisse jedoch ziemlich genau, welchen Gewohnheiten es wann das Kommando überlassen sollte: Es orientiere sich dabei an seiner eigenen Aktivität, die immer dann am größten sei, wenn eine Handlung einsetzt und wenn sie endet. Folge darauf eine angemessene Belohnung, festige sich das gesamte Verhalten.

Gestützt auf diese Hypothesen analysiert Duhigg zunächst allerlei individuelle Gewohnheiten, darunter auch in Sachen Ernährung. Ein historisches Beispiel bietet eine Kampagne der US-Regierung in den 1940er Jahren. Wegen des kriegsbedingten Fleischmangels machte sie der Bevölkerung die bis dahin verschmähten Innereien schmackhaft, indem sie eine Zubereitung vorschlug, die herkömmlichen Gerichten möglichst nahekam. Etliche Folgeregierungen appellierten danach vergeblich ans Volk, die Ernährung wieder umzustellen.

Neben diesem historischen Exkurs beschäftigt sich der Autor auch mit den Praktiken bekannter Unternehmen wie Procter & Gamble, Alcoa und Starbucks. Ihnen sei es gelungen, ihre Organisationskultur durch Veränderung von Schlüsselgewohnheiten wie dem Kommunikationsstil rundum zu erneuern.

Charles Duhigg erhebt einen umfassenden Erklärungsanspruch, den er aber nicht völlig einlösen kann. Aufschlussreich ist jedoch, was er zur Entwicklung und Überwindung schlechter Gewohnheiten vermittelt. Ein Buch, aus dem man viel lernen kann.