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Ökosysteme: Bernstein enthüllt artenreichen Regenwald aus dem Miozän

Asiens Regenwälder gehören zu den ältesten Ökosystemen der Erde. Manche haben Verbindungen bis zurück ins Zeitalter des Miozäns.
Illustration eines Regenwalds im Miozän

Bernstein ist nicht nur als Schmuck beliebt, sondern auch bei Paläontologen: Das versteinerte Baumharz schloss bei seiner Entstehung regelmäßig Tiere oder Pflanzenteile ein, die darin bis heute überdauerten. Besonders reichhaltig sind die Funde aus der chinesischen Region Zhangpu, wo ein Team um Bo Wang vom Nanjing Institute of Geology and Palaeontology rund 25 000 Bernsteinproben mit Fossilien sowie weitere 5000 pflanzliche Versteinerungen ausgewertet und zu einem Bild des damaligen Ökosystems zusammengesetzt hat. Ihre Studie veröffentlichte die Gruppe in »Science Advances«.

Nach Angaben von Wang und Co handelt es sich bei der Sammlung um die bislang reichhaltigste eines tropischen Regenwaldökosystems. Zusammen mit den Fossilien großer Tiere zeige es den außergewöhnlichen Artenreichtum in einem 14,7 Millionen Jahre alten Wald aus dem Miozän. Dabei wies Wangs Gruppe die Blätter von 78 Baumarten nach sowie zahlreiche Samen von Dipterocarpaceen und Leguminosen, die bis heute die Regenwälder Südostasiens dominieren. Damals reichte ihre Verbreitung in einer wärmeren Welt weiter nach Norden.

Noch artenreicher präsentieren sich die Wirbellosen in der Sammlung: Die Wissenschaftler zählten Vertreter aus 250 Familien von Spinnen, Milben, Tausendfüßern und anderen Gliedertieren sowie Vertreter aus 200 Insektenfamilien. Der Fundort gehört damit schon jetzt zu einer der vier artenreichsten Bernsteinlagerstätten der Erde. Die Insektenfauna in Zhangpu umfasste Ameisen, Stabschrecken, Termiten und Grashüpfer, die heute auf die Tropen Südostasiens und Neuguineas beschränkt sind. Viele der Arten gehören zudem zu Gattungen, die immer noch existieren.

Die Ergebnisse zeigten, dass die asiatischen Insektengemeinschaften von Regenwäldern seit dem Miozän intakt geblieben seien, schreiben die Wissenschaftler. Und sie belegten: Jene relative ökologische Stabilität dieser Wälder sorgt ebenfalls dafür, dass die Artenzahl sich im Laufe der Zeit zunehmend anreichert. Das mache sie noch wertvoller, als wir es schon vermuteten.

Das Aufkommen tropischer Wälder in Zhangpu hing sehr wahrscheinlich mit wärmeren Wintern in der Region als heute zusammen, vermutet Wangs Team. Dadurch herrschten ganzjährig relativ stabile Verhältnisse vor.

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