Der Tag der Hochzeit ihrer besten Freundin: ein Tag, auf den sich Anna seit Monaten gefreut hat und an dem alles perfekt sein soll – schließlich ist sie die Trauzeugin. Doch ausgerechnet an diesem Morgen kommt es zum großen Zerwürfnis zwischen Anna und ihrem Freund Roland. Der Streit ist so heftig, dass es ihr unmöglich erscheint, danach ein Fest zu besuchen, geschweige denn zu koordinieren, wie sie es versprochen hat. Aber ebenso wenig kann sie der besten Freundin den "schönsten Tag des Lebens" verderben. Was tun?

Viele würden ihre Verzweiflung in einer ähnlichen Situation vermutlich mit ein paar Gläsern Sekt hinunterspülen. Doch in diesem Fall verbietet sich das, denn für die Organisation braucht Anna einen klaren Kopf. Nehmen wir nun an, ihr WG-Mitbewohner Tim, der das ganze morgendliche Drama verfolgt hat, schlägt Abhilfe vor: eine Pille, die er selbst wegen seiner Depressionen einnimmt. Bei ihm wirke das Mittel regelrecht Wunder, außerdem habe er neulich gelesen, dass es auch die Stimmung gesunder Menschen verbessere. Einen Versuch sei es jedenfalls wert – Nebenwirkungen habe die Tablette sehr selten und fast nur harmlose.

Würden Sie in Annas Situation den Versuch wagen? Und wenn er gelänge und das Fest auf diese Weise gerettet würde: Wäre irgendetwas daran verwerflich?

Um es gleich zu sagen: Die hier beschriebene Wunderpille gibt es nicht …

Literaturtipps

Auf dem Hövel, J.: Pillen für den besseren Menschen. Wie Psychopharmaka, Drogen und Biotechnologie den Menschen der Zukunft formen. Heise, Hannover 2008.
Verständliche Einführung in die neuronalen Grundlagen des Gedächtnisses und die Möglichkeiten seiner pharmazeutischen Beeinflussung – inklusive Selbstversuchen des Autors

Greely, H. et al.: Towards Responsible Use of Cognitive-Enhancing Drugs by the Healthy. In: Nature 456(7223), S. 702-705, 2008.

Repantis, D. et al.: Antidepressants for Neuroenhancement in Healthy Individuals: A Systematic Review. In: Poiesis & Praxis: International Journal of Technology Assessment and Ethics of Science 6(3-4), S. 139-174, 2009.
Die Ergebnisse zu den Stimulanzien und zu den Antidementiva erscheinen demnächst in zwei weiteren Fachartikeln.

Schöne-Seifert, B. et al. (Hg.): Neuro-Enhancement. Ethik vor neuen Herausforderungen. Mentis, Paderborn 2007.
Sammelband, der die Optimierung des Geistes und die damit verbundenen ethischen Fragen aus philosophischer, juristischer und neurowissenschaftlicher Sicht beleuchtet