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Bildgebende Verfahren

Die funktionelle Magnetresonanztomografie hat die Hirnforschung revolutioniert. Was vorher undenkbar schien, macht diese Technik möglich: dem Gehirn bei der Arbeit zuzusehen. Doch immer mehr Forscher mahnen, die bunten Bilder nicht zu überschätzen.
Bunt tapeziertes Oberstübchen
Was geschieht in unserem Kopf, wenn wir Schach spielen, Fahrrad fahren oder schlafen? Während sich zu früheren Zeiten darüber nur spekulieren ließ, scheint seit den 1970er Jahren eine Antwort möglich – mit einigem technischen Aufwand. Die Magnetresonanztomografie (MRT) trat ihren Siegeszug an und revolutionierte die Hirnforschung. Heutzutage ist eine Veröffentlichung auf diesem Gebiet ohne die bunten Bildern aus dem Hirnscanner oft kaum möglich.

Die Technik, die 2003 dem amerikanischen Chemiker Paul Lauterbur und dem britischen Physiker Peter Mansfield den Nobelpreis für Medizin bescherte, misst das physikalische Verhalten von Wasserstoffkernen: In einem starken Magnetfeld richten sich die Dreh- oder Spinachsen der Kerne aus und geraten durch ein elektromagnetisches Signal in Resonanz – daher die Bezeichnung Magnet- oder Kernspinresonanz. Das Resonanzsignal kann wiederum gemessen und ausgewertet werden.

Während die MRT statische Bilder liefert, erfasst die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) Veränderungen im Gehirn, wenn sich die Versuchsperson mit einer bestimmten Aufgabe beschäftigt. Die Forscher machen sich hierbei die unterschiedlichen magnetischen Eigenschaften der Wasserstoffkerne in sauerstoffreichen und -armen Hämoglobin zu Nutze. Ein aktives Hirnareal verbraucht mehr Sauerstoff und wird daher stärker mit sauerstoffhaltigem Blut versorgt. Mit etwas Rechenaufwand lassen sich so Aktivitätsunterschiede von Hirnregionen erschließen.

Damit steht Wissenschaftlern ein Werkzeug zur Verfügung, das zu früheren Zeiten undenkbar schien: Neuroökonomen wagen Einblicke in den Kopf des Konsumenten; Psychotherapeuten träumen von einer "Neuro-Psychotherapie", bei der die Bilder aus dem Scanner Aufschluss über die Psyche liefern sollen.

Doch ein fMRT-Scanner ist kein Gerät zum Gedankenlesen. Er erfasst nicht Denk-, sondern Stoffwechselprozesse. Und ihre Bilder führen zu einer trügerischen Vorstellung vom Gehirn als "Schweizer Taschenmesser", bei dem jedes Teil eine ganz bestimmte Aufgabe erfüllt.

Daher warnen immer mehr Wissenschaftler vor den gebrochenen Versprechen der Hirnforscher und ihrer bildgebenden Methoden. Manche fMRT-Scans scheinen eher Voodoo statt harten Fakten zu liefern. Und mit etwas zu laxer Datenanalysen zeigt sogar ein toter Fisch Hirnaktivitäten in der fMRT-Röhre.

Sind die bunten Bilder also nur fauler Zauber? Steckt die Hirnforschung gar in einer Krise? Soweit wollen die meisten Wissenschaftler nicht gehen und betonen, dass die Psychologie nicht auf den Blick ins Gehirn verzichten kann. Richtig eingesetzt, bescheren uns bildgebende Verfahren durchaus wertvolle Einsichten in die Arbeitsweise unseres Denkorgans. (aj)
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