Evolution und Religion
Sinn und Unsinn des Glaubens
Seit vor 150 Jahren Charles Darwins Buch "Über die Entstehung der Arten" erschien, tobt ein Streit über die Folgen der Evolutionstheorie für unser Weltbild. Ist die Idee eines Schöpfers überflüssig geworden? Darüber diskutiert der evangelische Theologe Richard Schröder mit dem Evolutionstheoretiker Franz Wuketits
Wuketits: Ich denke ja. Nur wenn man den Gottesglauben sehr weit fasst, ist er mit der Evolutionstheorie vereinbar. In diesem Sinn war etwa Einstein religiös. Problematisch wird es aber mit jeglichem Schöpfungsglauben, insbesondere dem der Kreationisten: Die Überzeugung, dass die Welt innerhalb von sechs Tagen entstand, steht eindeutig im Widerspruch zum Evolutionsgedanken.
Schröder: Doch kann man sehr wohl an einen Schöpfer glauben, ohne gleich Kreationist zu sein. Kopernikus, Kepler, Galilei, die Väter der neuzeitlichen Naturwissenschaft, haben versucht zu verstehen,wie Gott die Welt geschaffen hat. Sie haben Gottes Schöpfungsplan mit Hilfe der Mathematik entschlüsseln wollen


Die Fragen stellten die G&G-Redakteure Rabea Rentschler und Carsten Könneker.


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1. Richard Schröders Reduktionismusvorwurf
09.03.2009, Ernst GrewelEvolutionstheoretiker fragen in der Tat, "Wo kommt etwas her?", und ihre Forschung ist, wie alle Wissenschaft, im vollen Sinne reduktionistisch - sie versucht Ereignisse auf Ursachen "zurückzuführen" (von lat. reducere). Als Naturwissenschafter können sie gar nicht anders, als natürliche Erklärungen für natürliche Phänomene suchen. Irdische Phänomene mit Hilfe übernatürlicher Kräfte zu erklären, liegt außerhalb ihrer Denkmöglichkeiten. Es wäre aber verfehlt, den heutigen Neurowissenschaften ethischen Reduktionismus im Sinne des extremen Sozialdarwinismus vorzuwerfen, wie Schröder das tut.
Ein grundlegender Stein des Anstoßes ist Schröders einseitiges Bild von biologischer Evolution im Sinne physikalisch-mechanistischer Determination. Daraus speisen sich vermutlich seine apokalyptischen Befürchtungen, evolutionäres Denken führe automatisch zu Sozialdarwinismus, Menschenzüchtung und Kategorien von unwertem Leben, die er zu Recht als unethisch kritisiert. Die Evolutionstheorie erklärt dagegen die Entwicklung organischen Lebens im Sinne eines offenen Prozesses der Selbstorganisation, der Körper und Geist gleichermaßen einbezieht.
Könnte es sein, dass in der naturwissenschaftlichen Erklärungsmöglichkeit von Geist die verdeckte Wurzel des Reduktionsvorwurfes liegt? Denn in dem Augenblick, wo die Neurobiologie die Entstehung geistiger Tätigkeit als natürliche Eigenschaft der Tätigkeit hochkomplexer Gehirne erklären kann, stellt sich als Konsequenz die unbequeme Frage, wie ein solchermaßen verkörperter Geist nach dem endgültigen Hirntod überdauern könnte, wie es viele Religionen postulieren. Natürliche Evolution und Glaube an übernatürliche Mächte wie Gott oder Jenseits sind wie Feuer und Wasser. Man muss - und darf - sich für eine Sicht entscheiden. Ein Sowohl-als-auch wäre zumindest erklärungsbedürftig.
Ernst Grewel
2. Das Primat des Geistes
15.03.2009, Reichelt, TangermündeDie Wissenschaft hat sich entschieden, sich nur mit dem Mess- und Wägbaren zu befassen. Also soll sie dabei bleiben.
Die Wirklichkeit ist aber umfassender. Deshalb können wirkliche Theorien wie zum Beispiel über die Entstehung des Kosmos, des physischen Lebens oder der Evolution nicht auf naturwissenschaftlicher Grundlage gebildet werden.
Der Glaube ist eine Vorstufe des Wissens. Allerdings eines Wissens über die Welten, die Voraussetzung für den physischen Kosmos sind.
Hat man Wissen, so ist dieses - wenn die einzelnen Elemente des Wissen in logischen Zusammenhang gebracht werden - Wissenschaft. Geisteswissenschaft, Metaphysik oder wie immer man sie nennen mag.
Im Zusammenhang dieses Wissens mit dem Wissen der Naturwissenschaft ergibt sich ganzheitliches, oder interdisziplinäres Wissen.
Was nun die Evolution betrifft, so kann aus der interdisziplinären Wissenschaft mit Sicherheit gesagt werden, dass alle Theorien der Evolution, die materielle Faktoren annehmen, definitiv f a l s c h sind.
Der Kampf ums Dasein, Selektion und Auslese haben nicht unmittelbar mit dem Werden der Lebewesen zu tun, sondern sind eine F o l g e des Vorhandenseins der Lebewesen.
Die Welten, einschließlich der physischen sind dadurch entstanden, dass das Ewige auf sich selbst reflektierte. Die Selbstreflektion des Ewigen fand im Menschen seinen Abschluss. Deshalb geht die Evolution nur weiter, wenn sich der Mensch seines wahren, d.h. ewigen Wesens, bewusst wird.
Geschieht das nicht, gibt es nur noch Niedergang, wie die ökologischen und gesellschaftlichen Verhältnisse beweisen.
Näheres zum Fortgang der Evolution hier: http://geheimnisdesmensch...