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Quelle: Gehirn und Geist 12/2008
Zeitungsprosa
für die Ohren
Audioversion von FAZ-Artikeln
zur Hirnforschung
Fast täglich berichten Zeitungen über
bemerkenswerte Entwicklungen auf
dem Gebiet der Neurowissenschaften.
Das Ressort Forschung und Technik verzeichnet
methodische Fortschritte der
bildgebenden Verfahren, das Feuilleton
diskutiert den Einfluss der Hirnforschung
auf das Weltbild, und der Wirtschaftsteil
behandelt die Neuroökonomie.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
("FAZ") hat bereits zum zweiten Mal ihr
Archiv durchstöbert und eine Sammlung
von Artikeln zu diesen Themen zusammengestellt.
Diese zwischen März 2006
und März 2008 publizierten Texte liegen
nun als Hörbuch in der Reihe "Audio-
Dossier" vor. Es behandelt die Themen Denken und Entscheiden und knüpft
damit
an das erste "FAZ"-Hörbuch ("Wer
ist der Käpt’n im Kopf?") aus dem Jahr
2006 an.
Auch diesmal hat der Verlag 13 Berichte,
Porträts und Features aufgenommen.
Es handelt sich dabei weniger um
für Tageszeitungen typische Texte, die
nach dem Motto "Wissenschaftler haben
festgestellt, dass" über einzelne Studienergebnisse
informieren, denn diese Beiträge
wären nach kurzer Zeit schon veraltet.
Stattdessen führen die Autoren in
aktuelle Theorien ein und stellen neue
Forschungsgebiete oder strittige Positionen
zu heiß debattierten Themen vor. Sie
beschreiben, bewerten, kommentieren –
und die Porträts über den Hirnforscher
Christof Koch und den Philosophen David
Chalmers vermögen gar zu unterhalten.
Einige Inhalte überschneiden und
wiederholen sich leider; zum Beispiel betonen
verschiedene Autoren immer wieder,
dass die funktionelle Magnetresonanztomografie
inzwischen weit verbreitet
und vielfach einsetzbar ist. Doch das
ist kaum zu vermeiden, da die Einzelbeiträge
ursprünglich nicht aufeinander abgestimmt
wurden und darin mehrfach
dieselben Experten zu Wort kommen.
Im Ton fallen die Artikel mal nüchtern
und sachlich aus, mal pointiert und feuilletonistisch.
Leider erfährt der Hörer
nichts über die Autoren selbst. Zwar nennt
der Sprecher zu Beginn jedes Beitrags den
betreffenden Verfasser – doch wer weiß schon, dass hinter den Namen Christian
Geyer und Werner Mussler "FAZ"-Redakteure
stecken und hinter Gerd Kempermann
ein namhafter deutscher Neurowissenschaftler.
Leider ist das nicht die einzige Schwachstelle
der Audio-Version. Betonungsfehler
erschweren das Verständnis, und wenn
abwechselnd männliche und weibliche
Stimmen die Inhalte vortragen, hat das
zwar einen besonderen Reiz, doch was bei
einem Roman funktioniert, passt nicht
unbedingt auch zu einem Sachbuch.
Bei der hohen Informationsdichte der
zügig gelesenen Artikel ist es schade, dass
der Hörer nur die Titel der Lesestücke
nachlesen kann. Ein Glossar im Booklet,
das Kernbegriffe oder Stichworte erläutert
und auf zugehörige Audiotracks verweist,
wäre hilfreich für den Fall, dass man
zu einem Thema noch einmal "nachhören" möchte. So bleibt einem nichts weiter
übrig, als sich Notizen zu machen oder
während des gesamten Vortrags konzentriert
zuzuhören.
In dieser Form stellt das Hörbuch deshalb
keine ernst zu nehmende Alternative
zur gedruckten Ausgabe dar. So gut die
Idee im Ansatz ist, hier bleibt der Eindruck
zurück, dass der Verlag mit dieser lieblos
ausgestatteten Audioversion nur auf
Zweitverwertung setzte.
Olaf Schmidt
ist promovierter Biologe und arbeitet als freier Journalist in Essen.
Schönheit: Die Gesetze der Ästhetik • Im Rausch der Töne: So wirkt Musik auf die Psyche • Neuro-Art: Hirnscans als Kunst • Geniale Grenzgänger: Leonardo da Vinci und Georg Büchner • Kreativität: Wie... »