Solange man die vielen Bedeutungen der umgangssprachlichen Verwendung des Wortes "Bewusstsein" nicht klarer auseinander hält, bleibt unausgesprochen, wenn nicht unerkannt, was jeweils gemeint ist.
Unter Bewusstsein/BW wird in der Medizin beispielsweise Bewusstheit verstanden: "Ohne" BW oder nicht "bei" BW sein, "das" BW verlieren oder wieder "zu" ihm kommen oder wieder "zu" ihm sogar gebracht werden und wie die erkennbar bildhaften Ausdrucksweisen so alle lauten, heißt eigentlich "ohnmächtig sein" oder "werden" bzw. wieder "zu sich" kommen oder einfach: schlafen und aufwachen. BW i.S.v. Bewusstheit meint also weiter nichts als wach zu sein.
Nicht nur nebenbei: Wachheit gilt gemeinhin zwar als ein "Bewusstseinszustand". Ersichtlich ist aber wenig, wenn überhaupt etwas damit gewonnen, ihn auch noch als "Wachbewusstsein" zu bezeichnen und den Schlaf dann konsequenter, aber genau so unnötiger Weise "Schlafbewusstsein" zu nennen. Inflationär wird diese Redeweise allerdings, wenn Schläfern auch noch ein "Traumbewusstsein" zugesprochen wird, wenn sie sich nach dem Aufwachen schlicht daran erinnern oder noch "im" BW haben, geträumt zu haben, oder sich den Traum sogar noch im Einzelnen vorstellen können.
Diese umgangssprachliche und genau besehen ziemlich nachlässige Ausdrucksweise ist besonders irreführend. Sie hat dazu geführt, allen möglichen "Bewusstseinsinhalten", also schlicht dem, woran man denkt oder was man sich vorstellt, mit dem Begriff BW zu kombinieren. Es ist deswegen möglich, von Werte-, Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein zu reden, von Arbeitsbewusstsein, von Schuld- und Rechtsbewusstsein, von Macht-, Massen-, Klassen-, Standes-, National- und Staatsbewusstsein und noch zahlreichen anderen "Bewusstseinen". Es wird sogar von Unter- oder "höherem" BW phantasiert, von dem sich nicht wenige vorstellen, dass es weit über "kosmisches" BW hinausgeht und erst in einem transzendentalen oder gar Gottesbewusstsein seinen "absoluten" Höhepunkt erreicht ...
Ersichtlich wird in all diesen Zusammenhängen der Begriff BW jedoch bloß auf seine etymologische Herkunft von "Wissen" bezogen, nach der etwa "bewusst" gleichbedeutend mit "gewusst" aufgefasst wird wie in der umgangssprachlichen Wendung "mir ist bewusst", die einfach "ich weiß" bedeutet. Etwas zu wissen oder verallgemeinert "Wissen" konstituiert jedoch keinen "Bewusstseinszustand" und schon gar keinen, der hirnphysiologischer Aufklärung bedürfte wie der Unterschied zwischen Wachheit und Schlaf.
Physiologisch wesentlich interessanter ist das Phänomen der "Aufmerksamkeit". Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich im Zustande der Wachheit (die dadurch gekennzeichnet ist, dass man um seine Wahrnehmungen "weiß") reflexartig, gewohnheitsmäßig oder absichtlich einem (ggf. selbst-)"bestimmten" Wahrnehmungsbereich oder einem Ausschnitt davon zuzuwenden oder Details eigener Vorstellungen genauer und eingehender "in Betracht zu ziehen". Details würden hier zu weit führen.
Wichtig ist dabei, dass Aufmerksamkeit - wie jeder bei genauer Selbstbeobachtung feststellen kann - eine zur Wachheit zusätzliche und von Wahrnehmungen und Vorstellungen unabhängige Fähigkeit ist. Deswegen ist es möglich, sie auch "bewusst" i.S.v. "absichtlich", also willentlich oder willkürlich z.B. auf ein beliebiges, selbst bestimmtes Wahrnehmungsobjekt innerhalb seiner Gesamtwahrnehmung zu richten. Sie kann sogar in ihrer Weite verändert und ebenso "konzentriert" und "zugespitzt" wie umgekehrt "erweitert" oder "geweitet" bzw. "geöffnet" werden. Systematisch ist es deswegen möglich - erlebt wird dies meist jedoch eher zufällig -, Aufmerksamkeit auf einen größeren Wahrnehmungsbereich als gewohnt auszuweiten. Die übliche Einstellung des Fokus seiner Aufmerksamkeit wird dabei vergrößert - bis hin zu einer (dann) so genannten Gewahr- oder Achtsamkeit, in der man für alle Sinneswahrnehmungen gleichzeitig und gleichmäßig offen ist - eine weitwinkel- oder panoramaartig weite Aufmerksamkeitseinstellung, die in der Literatur auch als "Panoramabewusstheit" bezeichnet wurde.
All diese Aufmerksamkeitsvariationen oder unterschiedlichen Einstellungen des "Fokus" der eigenen Aufmerksamkeit werden seit langem als "veränderte Bewusstseinszustände" (altered states of consciousness) bezeichnet. Mir erscheint dieser Ausdruck zu unspezifisch. Angesichts seines beliebigen Gebrauchs halte ich ihn schon gar nicht für empfehlenswert. Wird er doch sogar zur Bezeichnung von Spontanänderungen von Einstellungen und Ansichten durch überraschende oder überwältigende Einsichten, intensive oder bewegende Erlebnisse oder durch Extremerfahrungen verwendet. Hinzu kommt, dass er interessierten Kreisen dazu dient, auch drogeninduzierte Bewusstseinsstörungen aller Art zu beschönigen oder sogar zu verklären.
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