Astrologie
Die Kunst der Sterndeuter
Astrologen sind nicht in der Lage, aus zwei Horoskopen das richtige für ihr Gegenüber herauszufinden. Warum nur sind dann so viele Menschen überzeugt davon, dass ihre Aussagen irgendwie doch stimmen?
Klar: Die meisten Horoskope-Leser wollen eigentlich nur unterhalten werden, wie knapp 60 Prozent der G&G-Leser angeben, die in den vergangenen zwei Monaten an einer Internet-Umfrage teilnahmen. Aber selbst in dieser eher wissenschaftlich orientierten Klientel erhofft sich jeder zehnte der 464 Befragten Rat und Hilfe für sein Leben oder will mehr über sich selbst oder andere erfahren. Zwölf Prozent glauben nach eigenem Bekunden, dass die »Sternzeichen« etwas über Menschen aussagen; weitere 24 Prozent halten es zumindest für möglich


Edgar Wunder ist Dozent für Sozialgeografie an der Universität Heidelberg. In seiner Dissertation »Religion in der postkonfessionellen Gesellschaft« hat er unter anderem die Astrologie aus sozialwissenschaftlicher Perspektive untersucht.
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1. Die Kunst der Sterndeuter
16.02.2008, Johann Munzer, Magliaso (CH)Seltsam finde ich ferner, dass von den befragten repräsentativen Astrologen keiner angegeben hat, die Astrologie sei eine Rhythmenlehre, obwohl viele moderne Astrologen sie so verstehen. Die Rhythmen von Sonne, Mond und der Planeten mit ihren unterschiedlich langen und kurzen Umlaufzeiten sind es, die als "Uhren des Kosmos" im Menschen seit Urzeiten eingeprägt sein können und sich rhythmisch im Leben des Menschen entfalten. Jedes individuelle Horoskopbild ist somit ein festgehaltener Moment dieser Rhythmen.
Ich habe mich seinerzeit an dem umfassenden statistischen Test von Herrn Niehenke beteiligt und muss dazu feststellen, dass mit diesen Fragen niemals ein Mensch wirklich erfasst werden kann. Um mich z.B. wirklich richtig zu erfassen, hätten noch ganz andere Fragen dazu gehört. Wenn wir es mit der Selbsteinschätzung von Personen zu tun haben, dann wissen die Psychologen doch sehr genau, wie falsch diese Aussagen sein können. Im übrigen gibt es einige Studien, worin zwei unterschiedliche Horoskope (z.B. das von Hitler und einem berühmten Dichter) sehr wohl von Astrologen in einem Blindtest signifikant unterschieden werden konnten. Bei einem so komplexen Wesen wie der Mensch (körperlich-seelisch-geistig), reicht ein Fragebogentest eben nicht aus, um eine gute Statistik von charakterlichen Merkmalen zu machen. Hierzu wären Untersuchungen von Einzelkonstellationen sehr viel besser (z.B. die Untersuchung der Häufigkeit der koronaren Herzkrankheit bei Sonne/Saturn-Konstellationen). Ich habe das zweimal angeregt, aber die angesprochenen Mediziner waren nicht bereit, mir entsprechendes Datenmaterial zur Verfügung zu stellen, obwohl sie in einer Studie den Einfluss von Voll- und Neumond auf das Herzinfarktgeschehen bei ihrer Untersuchung haben einfließen lassen. Warum sie ausgerechnet diesen Einfluss in ihre Untersuchung haben einfließen lassen, bleibt mir ein Rätsel. Weil sie an den Einfluss des Mondes noch eher glauben als an die Rhythmen des Saturn, von denen sie als Astrologieunkundige keine Ahnung haben?