Dass für einen Lernerfolg zwar vor allem positive Rückmeldungen entscheidend sind, wissen Hirnforscher und Pädagogen schon lange. Unbestritten können sich aber auch Fehler hier durchaus als hilfreich erweisen. Die Fähigkeit, aus negativen Erfahrungen seinen Nutzen zu ziehen, schwankt allerdings von Mensch zu Mensch. Alles eine Frage der Erziehung, oder mischt hier auch unser Erbgut mit?
Die Forscher um Tilmann Klein und Markus Ullsperger vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften hegten einen Verdacht: Das Gen DRD2-TAQ-IA auf Chromosom 11 beeinflusst in Neuronen des Gehirns die Dichte des Dopaminrezeptors D2. Der Neurotransmitter Dopamin spielt wiederum eine wichtige Rolle bei Sucht und Zwangsstörungen, indem er positive Gefühle im Belohnungszentrum des Gehirns vermittelt. Menschen, die über weniger D2-Rezeptoren verfügen, reagieren unempfindlicher auf selbstzerstörerisches Suchtverhalten. Hier könnte sich also ein Mangel verbergen, aus schlechten Erfahrungen etwas zu lernen.
Nun existiert von dem Gen DRD2-TAQ-IA eine Variante, bei der nur ein einziger Baustein verändert ist. Träger dieses A1-Allels sind ansonsten vollkommen gesund, besitzen aber bis zu einem Drittel weniger D2-Rezeptoren als normal. Und genau auf diesen Personenkreis hatten es die Max-Planck-Forscher zusammen mit Kollegen aus Bonn und Gießen abgesehen.
Was die Probanden nicht wussten: Die Forscher hatten zuvor die Wahrscheinlichkeiten für "richtig" oder "falsch" festgelegt. So erzeugte ein bestimmtes Symbol zu achtzig Prozent Treffer, während ein anderes mit einer gleich hohen Wahrscheinlichkeit als Fehler gewertet wurde.
Für einen Missgriff drohte zwar keine martialische Strafe, er wurde aber umgehend mit einem grimmig blickenden Gesicht geahndet, während ein freundlicher Smiley als Belohnung für jeden Glücksgriff lockte. Gleichzeitig maßen die Forscher die Hirnaktivität ihrer Probanden per funktioneller Magnetresonanztomografie.
Tatsächlich hing der Lernerfolg entscheidend von der Version des DRD2-TAQ-IA-Gens ab. "Richtige" Zeichen hatten sich die Träger des A1-Allels mit über siebzig Prozent Treffer mindestens genauso gut gemerkt wie die Probanden mit der normalen Genversion, die sechzig Prozent korrekt identifizierten. Doch bei den "falschen" Symbolen versagte die A1-Gruppe: Nur die Hälfte erkannte sie, während die Kontrollgruppe hier abermals zu siebzig Prozent richtig lag.
Demnach kann ein einziger Genbaustein beeinflussen, wie wir mit Fehlern umgehen. Wer die entsprechende Version geerbt hat, dessen Gehirn verfügt über weniger D2-Rezeptoren und kann daher schlechter Dopamin binden. Negative Lernerfahrungen wirken sich damit geringer aus – und verringern die Chance, aus Fehlern klug zu werden.







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