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Nachrichten | 27.09.2007
WAHRNEHMUNG

Menschen erfassen Umwelt aus Sicht von Jäger und Gejagtem

Das menschliche Gehirn nimmt Lebewesen schneller wahr als tote Gegenstände. Diese Fähigkeit habe sich im Verlauf der Evolution entwickelt und schütze den Menschen unter anderem bis heute vor Angreifern, berichten Forscher um Joshua New von der Yale-Universität in New Haven.

Einmal ohne ...
In schneller Abfolge zeigten die Wissenschaftler ihren Probanden Bilderpaare, die sich jeweils nur durch ein Detail unterschieden: In eine Savannenlandschaft fügten sie etwa einen Elefanten ein, auf einem Schreibtisch war eine Kaffeetasse abgestellt worden, in einer Urwaldszene erschien plötzlich ein Mensch, und vor einem Marktstand war eine Taube gelandet. Für alle derartigen Bilderpaare bestimmten die Forscher, ob und wie schnell die Studienteilnehmer die Unterschiede auf den ansonsten identischen Bildern erkannten.

... einmal mit Auto
Den eingefügten Elefanten und den Menschen im Dschungel erkannten die Probanden in jedem Fall – obwohl beide Lebewesen auf dem Foto sehr klein abgebildet waren. Nur zwei Drittel der Studienteilnehmer entdeckten dagegen die vergleichsweise hoch aufgelöste Tasse auf dem Schreibtisch – anders als die winzige Taube vor dem Marktstand, die zu 91 Prozent ausgemacht wurde. Besonders auffällig waren die Unterschiede bei den Savannenlandschaften: Analog zur Abbildung des Elefanten hatten die Wissenschaftler einen Lieferwagen in vergleichbarer Größe in die Landschaft integriert. Dieser Unterschied sahen aber nur 72 Prozent der Probanden.

Original und Fälschung
Vor allem diese unzuverlässige Identifizierung spricht nach Meinung der Forscher für eine angeborene Fähigkeit des Menschen, schneller auf Lebewesen zu reagieren. Würde das Reaktionsempfinden auf Erfahrungen basieren, hätte der Lieferwagen schließlich ebenso regelmäßig erkannt werden müssen.

Im Verlauf der Evolution habe sich der Mensch durch seine Reaktionsschnelligkeit gegenüber Lebewesen einen Vorteil verschafft, weil er Tiere und andere Menschen – Angreifer ebenso wie mögliche Paarungspartner – schneller identifizieren konnte, so die Wissenschaftler. Diesen Vorsprung habe er sich bis heute erhalten. (may)

Proceedings of the National Academy of Sciences 10.1073/pnas.0703913104 (2007)

©spektrumdirekt
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