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Glücksforschung

"Glücksforscher" - das klingt nach beruflicher Erfüllung. Und doch wollen immer mehr Psychologen nicht immer nur auf den negativen Emotionen wie Trauer, Angst oder Wut herumreiten. Die frisch aus der Taufe gehobene "Positiven Psychologie" möchte herauszufinden, was positive Emotionen kennzeichnet, an welche Bedingungen sie geknüpft sind und wie sich der individuelle Glückspegel eines jeden Menschen ganz konkret steigern lässt.
Mal ehrlich: Würden Sie einen Psychotherapeuten aufsuchen und ihn fragen: "Hören Sie, ich bin eigentlich ganz zufrieden mit meinem Leben. Aber könnten Sie mir vielleicht dabei helfen, mich so richtig glücklich zu fühlen?" Wohl kaum. Vermutlich hätten Sie Bedenken, er würde Sie auslachen - schließlich hat er Wichtigeres zu tun, seelisch kranke Menschen zu behandeln etwa. Oder schlimmer noch: Der Experte könnte ihnen unterstellen, Sie litten an einem ernst zunehmenden psychischen Problem!

Doch die Einstellungen haben sich geändert – auch oder vielmehr vor allem unter Psychologen. Ende der 1990er Jahre forderte der damalige Präsident der Amerikanischen Psychologenvereinigung (APA) Martin E. P. Seligman seine Berufskollegen dazu auf, nicht immer nur auf den negativen Emotionen wie Trauer, Angst oder Wut herumzureiten. Vielmehr sollten sie sich endlich einmal genauso intensiv mit der Macht der guten Gefühle beschäftigen. Die erklärten Ziele der frisch aus der Taufe gehobenen "Positiven Psychologie": herauszufinden, was positive Emotionen kennzeichnet, an welche Bedingungen sie geknüpft sind, und nicht zu vergessen: wie sich der individuelle Glückspegel eines jeden Menschen ganz konkret steigern lässt.

Klingt nach dem Sieg des puren Hedonismus? Vielleicht, doch die professionellen Glückssucher führen gute Argumente ins Feld. Erstens: Vorbeugen ist leichter als heilen, das gilt auch für psychische Erkrankungen. Laut Studien wappnet kaum etwas so gut gegen die Folgen von Schicksalsschlägen wie eine optimistische Lebenseinstellung.

Zweitens hängen Psyche und Immunsystem eng zusammen: Frohnaturen sind körperlich widerstandskräftiger, werden schneller wieder gesund und leben nachweislich länger. Investitionen in ein möglichst hohes Wohlbefinden der Bevölkerung sind also durchaus probate Maßnahmen einer zeitgemäßen Gesundheitspolitik.

Drittens ist Glücklichsein nicht zu verwechseln mit "Spaß haben": Kurzfristige Hochgefühle, wie sie manch einem die rasante Fahrt in einem Porsche bescheren mag, sind nicht der Schlüssel zur Erfüllung. Viele Wohlbefindensforscher bauen daher auf die "altmodischen" Tugenden: Mut, Achtsamkeit, Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeit. Wer sie beherzige, sei auf dem besten Weg. Vielleicht ist das individuelle Streben nach Glück sogar eine Voraussetzung für ein friedvolles Miteinander. (kg)


Literaturtipps:

Stefan Klein: Die Glücksformel. Reinbek: Rowohlt 2002.

Philipp Mayring: Psychologie des Glücks. Stuttgart: Kohlhammer 1997.

Martin E. P. Seligmann: Der Glücks-Faktor. Warum Optimisten länger leben. Bergisch Gladbach: Ehrenwirth 2003.
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