Ungünstiges Verhalten ändern, Gedanken und Gefühle neu justieren – das bezweckt Psychotherapie üblicherweise.
Anders achtsamkeitsbasierte Verfahren: Sie sollen Menschen helfen, den Moment zu akzeptieren, wie er ist. Denn das kann Stress, Depressionen und Schmerzen lindern.
Nach der zweiten Maß war meine Achtsamkeit passee. Dirndl, Bier und lautes Rumtata unterbanden jeden Kontakt zum Körper, jedes Horchen auf den eigenen Atem. Tief über den Krug gebeugt, redete ich stattdessen auf mein Gegenüber ein.
Was ich zu erzählen hatte, wirkte eher deplatziert inmitten dieser Gaudi. Egal, es musste raus: Bevor ich an diesem Abend auf der »Wiesn« gelandet war, hatte ich gut sieben Stunden meditiert. Dabei hatte ich noch nie ernsthaft meditiert. Jetzt fühlte ich mich wie geladen
01.12.2006, Dr. Wolfgang Debler 14169 Berlin Mörchinger Str.102
Freud wünschte sich vor über 100 Jahren von seinen Patienten, sie mögen alles akzeptieren, was ihnen spontan ins Bewusstsein kommt – ohne Zensur und Bewertung. Alle humanistischen Therapieverfahren basieren auf "Awareness": Die Gestalt, die in den Vordergrund des Bewusstsein drängt, verdient die volle Aufmerksamkeit – das ist der Fluss des Lebens. Dass Üben hilft, lehrt uns die Verhaltenstherapie. Sicher führen viele Wege nach Rom und Achtsamkeit hat den Vorteil der "Niederschwelligkeit". Aber prinzipiell neu ist daran nichts, und ein Widerspruch zu den Verfahren der klinischen Psychologie ist weit und breit nicht in Sicht.
Antwort der Redaktion: Sehr geehrter Herr Debler,
herzlichen Dank für Ihren Leserbrief. Im Prinzip haben Sie natürlich Recht, dass Bewusstmachung und Akzeptanz schon längst wichtige Bausteine der psychotherapeutischen Arbeit sind. Neu scheint mir allerdings die mit dem Stichwort Achtsamkeit verbundene Tendenz, dies nicht nur im Patientengespräch zu betonen, sondern durch konkrete Mediationsübungen zu fördern. Diese legen den Fokus im Übrigen sehr viel stärker auf das Körperempfinden und bewirken quasi "nebenbei" Veränderungen im Hinblick auf gedankliche und emotionale Prozesse.
Im Grunde ist an Achtsamkeit natürlich nichts neu - aber auch gar nichts. Bevor sie vom Gedanken her in die Psychotherapie einzog, war sie schon Teil vieler religiöser und philosophischer Schulen, die vor den Psychologen ja auch den Ratsuchenden (und sich selbst) etwas bieten wollten.
Ein Unterschied, der inzwischen vielleicht etwas in den Vordergrund gerückt ist, ist die Absichtslosigkeit der Achtsamkeitspraxis. Therapie verfolgt immer ein festgelegtes Ziel, deshalb erscheinen Patienten ja überhaupt. Dies ist erst einmal nicht im Sinne der Achtsamkeit, jedoch wird das Prinzip mit einer Reihe von Veränderungstechniken verknüpft - ob sie nun Deutung (Analyse) oder "Tin Can Monster" (ACT) heißen mögen, um zieldienlich zu werden. Das unspezifische Prinzip der Achtsamkeit wird so in den Dienst des Therapieziels gestellt. Trotz seiner Effektivität wird das Prinzip einer Technik degradiert, was schade ist. Es ist eben schwierig, Absichtslosigkeit und Nicht-Tun zu vermitteln, wenn gleich die kognitive Umstrukturierung drangehängt wird (z.B. im MBCT).
Von den heute angebotenen Kursen/Schulungen/Therapiemöglichkeiten auf dem Gesundheitssektor kommt dem ursprünglichen Gedanken die Methode des MBSR wohl am nächsten.
anlässlich des Erscheinens des Buches "Die Achtsamkeits-Revolution" von B. Alan Wallace (und dem Top-Thema neurowissenschaftliche Meditationsforschung, bei der Wallace beteiligt ist) möchte ich Sie zum Verständnis dessen, was dabei mit "Achtsamkeit" (im Unterschied zum normalsprachlichen Verständnis ...) gemeint ist, auf diese Hinweise aufmerksam machen:
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1. Bleibt alles ganz anders
01.12.2006, Dr. Wolfgang Debler 14169 Berlin Mörchinger Str.1022. Nicht immer so ganz ...
11.05.2007, Gideon Franck, FuldaEin Unterschied, der inzwischen vielleicht etwas in den Vordergrund gerückt ist, ist die Absichtslosigkeit der Achtsamkeitspraxis. Therapie verfolgt immer ein festgelegtes Ziel, deshalb erscheinen Patienten ja überhaupt. Dies ist erst einmal nicht im Sinne der Achtsamkeit, jedoch wird das Prinzip mit einer Reihe von Veränderungstechniken verknüpft - ob sie nun Deutung (Analyse) oder "Tin Can Monster" (ACT) heißen mögen, um zieldienlich zu werden. Das unspezifische Prinzip der Achtsamkeit wird so in den Dienst des Therapieziels gestellt. Trotz seiner Effektivität wird das Prinzip einer Technik degradiert, was schade ist. Es ist eben schwierig, Absichtslosigkeit und Nicht-Tun zu vermitteln, wenn gleich die kognitive Umstrukturierung drangehängt wird (z.B. im MBCT).
Von den heute angebotenen Kursen/Schulungen/Therapiemöglichkeiten auf dem Gesundheitssektor kommt dem ursprünglichen Gedanken die Methode des MBSR wohl am nächsten.
3. Achtsamkeit
16.02.2009, Ingo-Wolf Kittel, FA f. pt. Medizinanlässlich des Erscheinens des Buches "Die Achtsamkeits-Revolution" von B. Alan Wallace (und dem Top-Thema neurowissenschaftliche Meditationsforschung, bei der Wallace beteiligt ist) möchte ich Sie zum Verständnis dessen, was dabei mit "Achtsamkeit" (im Unterschied zum normalsprachlichen Verständnis ...) gemeint ist, auf diese Hinweise aufmerksam machen:
http://www.mbsr-deutschland.de/achtsamkeit
(auch http://www.mbsr-deutschland.de/gratulation-zur-neuen-webseite#comment-15)
v.a. diesen Teil des Wikipedia-Eintrags zum Thema "Achtsamkeit":
http://de.wikipedia.org/wiki/Achtsamkeit#Allgemein
Mit freundlichen Grüßen
Ingo-Wolf Kittel
4. Hinweis
02.02.2012, Ingo-Wolf Kittel, AugsburgHier http://www.mbsr-deutschland.de/forum/achtsamkeit-ein-vieldeutig-gewordener-begriff sind Texte verlinkt, die das in der Wikipedia Dargestellte teilweise ergänzen.