1966 stellte der Psychologe Peter Cathcart Wason seinen Probanden genau diese Aufgabe. Das Resultat war vernichtend: Nicht einmal jeder Zehnte fand die korrekte Lösung. Bis heute ist der Wason Selection Task eine der härtesten Nüsse in den Testsammlungen von Kognitionspsychologen – und die Leistungen der Versuchspersonen sind heute genauso dürftig wie ehedem.
Menschen sind offenbar lausige Logiker. Mehr noch: Sie sind sich dieser Schwäche kaum bewusst. Obwohl die Kognitionspsychologie zahlreiche Formen von Kurzschlüssen und Verzerrungen in unserem Denken – so genannte Biases – aufgedeckt hat (siehe auch G&G 5/2011, S. 14), wähnen wir uns im Besitz großartiger analytischer Gaben.
Warum, so fragen die Philosophen Hugo Mercier und Dan Sperber in einem aktuellen Fachartikel, bilden sich Menschen zum Beispiel oft erst ein Urteil und suchen im Nachhinein nach Begründungen dafür? Warum pflegen sie lieb gewonnene Ansichten, selbst wenn sich diese als haltlos erwiesen haben? Warum fangen sie angesichts von unliebsamen Gegenbelegen das Haarespalten an oder verschließen die Augen vor dem Offensichtlichen? Die eigenen Glaubenssätze nüchtern an den Fakten zu prüfen, fällt sogar Wissenschaftlern extrem schwer.
Woran liegt das? Mercier und Sperber glauben: Der Mensch denkt nicht, um die Welt zu verstehen und Wissen anzuhäufen – sondern um andere zu überzeugen! Unsere argumentativen Fähigkeiten seien nicht der Wahrheitsliebe verpflichtet, sondern dienten vor allem dazu, uns gegenüber unseren Mitmenschen durchzusetzen, Recht zu bekommen und Macht auszuüben. Kurz: Rationalität erfüllt primär eine soziale Funktion.
"Das Denken ist entstanden, weil es die menschliche Kommunikation effizienter macht", so die beiden Philosophen. Laut Mercier und Sperber erhöht unsere Argumentationsgabe die Menge und Qualität von Informationen, die Menschen miteinander teilen, und erleichtert es so, gemeinsame Ziele und Aufgaben zu verabreden. Daher kommen Gruppen, die Lösungen diskutieren, meist zu besseren Ergebnissen als der Einzelne. Und strenges Analysieren führt regelmäßig zu schlechteren Entscheidungen als intuitives Handeln.
Diese Sicht der Dinge hat auch Folgen für die Forschung: Psychologen haben bislang zwar sehr viel darüber herausgefunden, wie wir denken – allzu oft wird darüber jedoch vernachlässigt, warum wir denken, wie wir denken. Man darf die Kognition eben nicht losgelöst vom sozialen Kontext betrachten, denn so manche vermeintliche Schwäche erweist sich auf einem Spezialgebiet als höchst nützlich: dem gemeinschaftlichen Argumentieren. Erkenntnisfortschritte sind hierbei eher ein (erfreuliches) Nebenprodukt.
Zum einsamen Denker à la Sherlock Holmes taugen folglich nur wenige Zeitgenossen – oder haben Sie die Lösung des Wason Selektion Task auf Anhieb gefunden? Sie lautet: E und 7.


Manuela Lenzen ist promovierte Philosophin und arbeitet als freie Journalistin in Bielefeld.

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1. Falsche Lösung
01.08.2011, Claudia Hinze, KönigswinterFazit: Um den Wahrheitsgehalt der Aussage zu überprüfen, muss man die 4 und das K umdrehen.
2. Wason Selection Task
01.08.2011,Bei Ihnen lautet die Frage: "Wenn auf der einen Seite eine gerade Zahl steht, steht auf der Rückseite ein Vokal." Hier müssen alle Karten mit geraden Zahlen geprüft werden (4) - ihre Lösung (E und 7) ist also falsch.
Nach der deutschen Wikipedia, muss zusätzlich zu E auch die 7 geprüft werden. Meiner Meinung nach irrt sich Wason hier, da bei einem abstrakten Kartenspiel aus A folgt B nicht der Umkehrschluss aus nicht A folgt nicht B gezogen werden kann. Und tatsächlich ist die Trefferquote von Versuchspersonen bei konkreten Beispielen, bei denen dieser Umkehrschluss tatsächlich gezogen werden kann, ja auch viel höher (vgl. Wikipedia).
Jetzt kann es sein, dass ich ein gutes Beispiel für Merciers und Sperbers These bin und aus Prinzip nicht von meiner Meinung abweichen will. Vielleicht gibt es aber tatsächlich mehrere Lösungen und man kann darüber diskutieren und Argumente austauschen.
3. Doch E und 7?
01.08.2011, Markus Katzmann4. Doch falsche Antwort
03.08.2011, AlexEs gilt:
Das E muss man umdrehen, da evtl. keine gerade Zahl dahinter steht.
Das K muss man umdrehen, da evtl. ein Vokal dahinter steht.
Die 7 muss man umdrehen, da evtl. ein Vokal dahinter steht.
Die 4 jedoch muss man nicht umdrehen, da sie potenziell keinen Widerspruch erzeugen könnte.
Unabhängig vom Rätsel jedoch ganz schön geschrieben, gefällt mir :)