So wie einst Smetana leiden heute etwa drei Millionen Menschen in Deutschland an den unerklärlichen Ohrgeräuschen. Sie hören ein Pfeifen, Brummen, Zischen, Rauschen oder Klopfen – ohne äußere Schallquelle. So manches Tinnitusopfer hat wegen des neu auftretenden Geräuschs zunächst den Heizungsmonteur oder Fernsehtechniker gerufen, um die vermeintliche Lärmquelle abstellen zu lassen.
Bei einigen Patienten verschwindet der Tinnitus spontan, andere gewöhnen sich daran und fühlen sich durch das ständige Geräusch nur wenig beeinträchtigt. Aber bei etwa jedem vierten Betroffenen sinkt die Lebensqualität rapide. Häufig kommen Schlafstörungen, Angstzustände oder Depressionen hinzu. Berufliche Probleme bis hin zur Arbeitsunfähigkeit können die Folge sein. Nicht selten fühlen sich stark belastete Patienten auch von Freunden und Familienmitgliedern unverstanden und ziehen sich mehr und mehr zurück.
Heilen lässt sich Tinnitus bislang nicht. Doch die neurowissenschaftliche Forschung konnte inzwischen die Ursachen für die Störgeräusche weit gehend aufklären und gibt so der Sehnsucht vieler Betroffener nach Linderung neuen Auftrieb


Tobias Kleinjung ist Hals-Nasen-Ohren-Arzt an der Universitätsklinik Regensburg. Er leitet gemeinsam mit dem Neurologen und Psychiater Berthold Langguth das interdisziplinäre Tinnituszentrum der Universität Regensburg.

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1. Unerfüllbare Hoffnungen
23.12.2010, Reinhard Heise, Sprecher Göttinger Selbsthilfegruppe für Tinnitus, Morbus Menière und Hörstörungen in der Deutschen Tinnitus-Liga e.V. (DTL), Beauftragter des Vorstands der DTL für Selbsthilfegruppen der DTLZunächst wird der Stand der Forschung zu Tinnitus neutral und richtig wiedergegeben. Doch dann geht es los: Als selbst Betroffener (Pfeifton auf beiden Seiten bei ca. 10 000 Hz) und Leiter einer Selbsthilfegruppe der Deutschen Tinnitus-Liga e.V. (DTL) habe ich in dieser Funktion und auch als Vorstandsbeauftragter der DTL für Selbsthilfegruppen immer wieder mit Beratungsgesprächen zu "neuen Therapien" bei chronischem Tinnitus zu tun.
Zur transkraniellen Magnetstimulation (TMS) gibt es noch weitere Studien z.B. (Poreisz et al. BMC Neurosci. 2009) aus der Forschungsgruppe von Prof. Tobias Moser, Innenohrlabor der HNO-Universitätsklinik Göttingen, bei denen sogar eine Verschlechterung der Tinnitusbelastung durch einen neuinduzierten Ton als TMS-Folge dokumentiert wird. Nicht umsonst hat der wissenschaftliche Beirat der DTL die verschiedenen Studien zur TMS als nicht unbedingt positiv eingestuft.
Auch zur so genannten Neurostimulation gibt es massive Bedenken - vor allem, weil bisher nicht in wissenschaftlich einwandfreier Weise die Ergebnisse dokumentiert sind; der von der Jülicher Arbeitsgruppe Peter Tass aggressiv beworbene T30CR-Neurostimulator käme nur für eine sehr kleine Gruppe (wenn überhaupt) infrage. Nach meiner Meinung wird dieses Gerät als "Gelddruckmaschine" vermarktet.
Aus der Sicht der Selbsthilfegruppen ist noch zu bemerken, dass jedes Mal die Telefone der Berater und Gruppensprecher heißlaufen, wenn wieder eine neue (oder auch schon bekannte) Sau durchs Dorf getrieben wird, in dem unkommentiert über so genannte Studien berichtet wird.
Die weit gehend unkommentierte Erwähnung "neuer Therapieansätze" im Artikel dürfte bei vielen Betroffenen mit hohem Leidensfaktor unerfüllbare Hoffnungen wecken und damit den Leidensdruck erhöhen. Von einem HNO-Arzt und einem Neurologen/Psychiater erwarte ich eine etwas differenziertere Berichterstattung.
2. Aggressive Werbung einzelner Anbieter
24.12.2010, Reinhard Heise3. DTL unterstützt Tinnitus-Forschung
15.02.2011, Volker Albert MurnauDie DTL kann sich in solchen Situationen nur abwartend reagieren, wenn keine offiziellen Informationen vorliegen. Selbst auf Nachfragen zu konkreten Studienergebnissen haben wir in den letzten Jahren teilweise bis zu einem halben Jahr warten müssen, bis wir eine Antwort bekamen. Dann dauert es bis zur Veröffentlichung im Tinnitus-Forum und entsprechender Stellungnahme durch unseren fachlichen Beirat so lange, dass es kaum noch einen interessiert, weil es bereits wieder etwas Neues auf diesem Sektor gibt.
Wir waren und sind auch heute noch offen für die Forschung zum Thema Tinnitus und haben auch deswegen eine Forschungsstiftung ins Leben gerufen. Bis wir aber eigene Forschungen finanzieren können, wird sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis der "Topf" so gefüllt ist, das wir etwas entnehmen können. Stifter und Sponsoren sind jederzeit herzlich willkommen! Die DTL plant des Weiteren eigene Forschungsansätze, über die wir in absehbarer Zeit informieren werden.
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Deutsche Tinnitus-Liga (DTL)
Volker Albert (Präsident)
v.albert@tinnitus-liga.de
www.Tinnitus-Liga.de