szmtag
Spektrum der Wissenschaft spektrumdirekt Sterne und Weltraum Gehirn&Geist epoc SciLogs WIS wissenschaft-online naturejobs
 
Rezension | 08.10.2009
Quelle: Schwabulierkunst
 

Irren ist menschlich

Wo der Mensch ist, da sind Fehler. Autounfälle gehen zu 90 Prozent auf menschliches Versagen zurück und enden häufig mit einem Anruf bei der Krakenversicherung. So wie das Fehlen eines einzigen Buchstabens das ganze Wort entstellt, können kleine Fehler zu großen Katastrophen führen. Besonders dann, wenn wir die Fehler übersehen - oder rufen Sie bei einer Krakenversicherung an? Dass uns die Details entgehen, hat aber nicht nur Nachteile. Indem wir sie vernachlässigen, sind wir in der Lage innerhalb einer Zehntelsekunde den Kern einer Situation zu erfassen. Das Problem ist nur: Wir glauben nicht daran, etwas übersehen zu haben.

Das Buch "Lechts oder rinks. Warum wir Fehler machen" von Joseph Hallinan enthält viele Varianten menschlichen Versagens. Zum Beispiel fiel der Selbstmord einer Frau, die sich Ende Oktober in einem Stadtgarten erhängte, über Stunden niemandem auf, weil alle Passanten annahmen, dass es sich um eine Halloween-Dekoration handelt. Hallinan stellt eine ansehnliche Sammlung menschlicher Fehlerquellen aus den Befunden der psychologischen Grundlagenforschung zusammen.

Zum Beispiel unterschätzen wir unsere Fehlbarkeit und überschätzen uns im Vergleich zu anderen. Menschen nehmen ihre Umwelt nicht objektiv wie mit einer Kamera wahr, und ihre Erinnerung stellt viel mehr eine Nachbildung als eine Abbildung der Vergangenheit dar. Hallinan zitiert Befunde über unsere begrenzten Fähigkeiten zum Multitasking und klärt unter anderem den Mythos vom Wissensvorsprung des Experten auf.

Für Leute vom Fach sind die meisten Forschungsergebnisse, die der Autor präsentiert, nichts Neues. Die menschliche Wahrnehmung ist selektiv. Wir konstruieren uns ein Bild von der Welt. Auch Hallinans Schlussfolgerungen sind wenig überraschend. Er fordert seine Leser auf, sich die eigene Fehlbarkeit vor Augen zu halten und aus Fehlern zu lernen. Es kommt eben darauf an, was man daraus macht.

Genauso solide, aber auch wenig originell wie die Auswahl der Befunde ist die Sprache des Autors. Die Information ist konventionell aufbereitet: Der Anschaulichkeit dienen die vielen Beispiele und der Verständlichkeit die Erklärung von Fremdwörter. Alles in allem ein empfehlenswertes Buch für jeden, der sich mit den klassischen Befunden psychologischer Grundlagenforschung vertraut machen möchte.
Katja Schwab
Die Rezensentin ist Diplom-Psychologin.

 
Anzeige
 
Anzeige
 
Anzeige
 
Lesershop
Mit dem Schirm "Sonnenfraktale" macht Ihnen auch der dickste Schauer nichts mehr aus. Durch seinen Durchmesser von fast 130 cm ist er auch bestens für eine weitere Person neben Ihnen geeignet. »
Die Mär vom Jungbrunnen • Länger leben bei karger Kost? • Das Wunder der über 120-Jährigen • Schlüssel zur Langlebigkeit • Warum gibt es Großmütter? • … »
 
Abonnement
Der Sammelordner bietet Platz für 12-15 Hefte. »
 
Science-Shop
Julia Grosse, Judith Reker
Hände hoch! Handgesten aus fast 50 Ländern »
 

Science Jobs der Woche


Mehr Jobs von naturejobs.com und Spektrum der Wissenschaft finden sie hier.
 

Spektrum finden Sie auch hier



 

DenkMal

Welche Männchen drücken auf die Tränendrüse, um die Fortpflanzung zu fördern?
Menschen
Mäuse
Krokodile
Vögel
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
Impressum - AGB