Ich denke, ich kann da für meine ganze Forschergruppe sprechen: Wir begrüßen den Text der Kollegen und finden viele Punkte, auf die sie hinweisen, sehr wichtig. Insbesondere teilen wir ihre Grundannahme, dass jeder entscheidungsfähige Mensch erst einmal mit seinem Körper und mit seinem Geist machen darf, was er will. Diese größtmögliche Freiheit für das Individuum kennzeichnet unseren liberalen Rechtsstaat. Die wichtigere Frage lautet, unter welchen Umständen und auf genau welche Weise diese Freiheit dann wieder eingeschränkt werden muss.
Was würde Ihrer Meinung nach dazu Anlass geben?
Zum Beispiel, wenn man sich selbst oder seinem sozialen Umfeld mit diesen Praktiken schadet. Wie auch im Memorandum erwähnt wird, fehlen uns bisher Erkenntnisse darüber, wie sich kognitives Enhancement langfristig auswirkt




abrufen




Medicine & More |
NeuroKognition |
Gedankenwerkstatt |
Graue Substanz |
Anatomisches Allerlei | 





1. Was nun?
19.10.2009, Ingo-Wolf Kittel, AugsburgDas Auch stößt auf und motiviert zu der Frage, warum das Wesentliche am Neuro-Enhancement - die gezielte chemische Manipulation von physiologischen Hirnprozessen - sprachlich eher als zweitrangig oder nebensächlich hingestellt wird, wenn genau sie hier das real Entscheidende ist, um das zu erreichen, was der Philosoph - nun ganz im eigenen Element - als ihr "Ziel" oder vielleicht besser Zweck ausgibt: die Verbesserung "des Denkens an sich", "kognitives Enhancement" wie er es gewählt akademisch ausdrückt. (Der Ausrutscher ins Psychofach, "auch die Stimmungslage" solle verbessert werden, sei hier außer Betracht gelassen; in seinem Verbundprojekt interessiert ihn offenbar nur der "kognitive" Aspekt - wie angeblich "die meisten Forscher auf der Welt": die er kennt? oder nach seinem subjektiven Eindruck? oder laut einer nicht genannten Umfrage?)
Leider klärt der Philosoph den geneigten Leser nicht auf, was er mit "kognitiv" denn meint, gar mit dem Begriff "Geist", im Hinblick auf den er froh verkündet, dass "jeder entscheidungsfähige Mensch", also sicher auch er "mit seinem Geist" beliebig machen könne, was er wolle.
Hält man sich an seine andere Angabe, Ziel bzw. Zweck von Neuro-Enhancement sei die Verbesserung des "Denkens an sich", stellt sich die Frage, ob diese Verbesserung denn nach heutiger philosophischer oder wenigstens seiner Meinung nicht mehr durch Denkschulung und Denkübung, durch Bildung und Entwicklung von Klugheit und Vernunft, von präzisem logischen und vor allem begrifflichen Denken sowie Scharfsinn und vielleicht auch noch der Fähigkeit zur Realitätskontrolle und umsichtigen Planung des eigenen Tuns erreicht werden kann oder vielmehr muss.
Sollte die Ausbildung und Vervollkommnung geistiger Fähigkeiten nach seiner und der meisten anderen Forscher auf der Welt in Zukunft Pillen überlassen werden?
Ist gar das Interview ein Zeugnis eines "kognitiven Enhancements" dieser Art?