Im Juli 1961 schoss sich der Literaturnobelpreisträger Ernest Hemingway in seinem Haus in Idaho mit einer doppelläufigen Schrotflinte in die Stirn. Der berühmte Schriftsteller hatte zuvor lange unter Alkoholsucht und schweren Depressionen gelitten. Weniger bekannt ist, dass sich Hemingway mit dieser Tat in eine düstere Familientradition einreihte
Gemäß der neuropsychologischen Forschung wird das Verhalten und die Emotionen eines Menschen besonders von seinen Genen beeinflusst. Es wird angenommen, dass die Anlage zu Depressionen vererbt werden kann. Begründet wird dies damit, dass in Familien die einzelnen Familienmitglieder vermehrt einen niedrigen Serotoninspiegel aufweisen. Auf diese Weise wird der Grund und die Auslöser einer Depression auf eine neurobiologische Grundlage gestellt.
Diese Argumentation enthält einen logischen Denkfehler. Andere Schulen behaupten, dass die zunehmende Kälte in der Gesellschaft, persönliche Probleme des Einzelnen Depressionen auslösen können. Der niedrige Serotoninspiegel dieses Menschen wäre eine FOLGE der schwierigen Lebenssituation des Einzelnen. Nicht dieser löst die Schwermut aus, sondern die Depression verursacht als Korrelat einen niedrigen Serotoninspiegel. Kluge Mediziner wissen, dass ein Mensch, der stark unter Stress leidet, Herzprobleme bekommen kann. Der Arzt wird dem Patienten sagen, er solle Stress meiden. Aufregung bewirkt eine starke Ausschüttung von Adrenalin. Die Aufregung wird körperlich spürbar. Es gibt keine Ausschüttung von Adrenalin ohne Ursache oder auslösendes Moment.
Durch die Überzeugung, es liege an den Genen, wenn ein Mensch depressiv wird, können Probleme des Einzelnen, mangelnde Anerkennung und Zuwendung, gesellschaftliche Missstände zementiert werden. Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Denn nicht auch bestimmte Umweltfaktoren oder ineffiziente kognitive Überzeugungen lösen Depressionen aus, sondern die Gene kommen zum Tragen. Dass Schwermut eventuell auch eine hormonelle Ursache haben könnte, wissen wir durch die postnatale Depression.
Niedergeschlagenheit wird darüber hinaus auch durch die Vorbildfunktion der Bezugspersonen erlernt. Negativ-pessimistische Weltdeutungen können durch Erziehung übernommen werden und zwar auch durch die heimlichen Erzieher in der Gesellschaft. Kognitive Therapien, Verhaltenstherapie, das Erlernen besserer Deutungen und Überzeugungen oder die Beseitigung von Problemen, gesellschaftliches Engagement wärEn überflüssig. Allein die medikamentöSe Behandlung des niedrigen Serotoninspiegels würde alle ProblemE beseitigen. Schwermut als bloßer biochemischer VerkehrsunfaLl des Gehirns.
Antwort der Redaktion: Dass etwas genetisch bedingt ist, bedeutet nicht, dass damit andere Einflussfaktoren, die etwa in der Umwelt oder auch innerhalb der Person liegen, ausgeschlossen seien. Gerade zur Entstehung von Depression und Selbstmordgedanken tragen natürlich familiäre Konstellationen, Lebensereignisse, negative Überzeugungen ganz erheblich bei. Die genetische Disposition eines Menschen bildet aber quasi den Nährboden, auf den diese fallen. Gene, Umwelt und Verhalten formen die Psyche des Menschen in einem komplexen Wechselspiel, dem monokausale Betrachtungen niemals gerecht werden können.
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1. Depression - genetisch bedingt?
18.09.2008, Sybille EngelGemäß der neuropsychologischen Forschung wird das Verhalten und die Emotionen eines Menschen besonders von seinen Genen beeinflusst. Es wird angenommen, dass die Anlage zu Depressionen vererbt werden kann. Begründet wird dies damit, dass in Familien die einzelnen Familienmitglieder vermehrt einen niedrigen Serotoninspiegel aufweisen. Auf diese Weise wird der Grund und die Auslöser einer Depression auf eine neurobiologische Grundlage gestellt.
Diese Argumentation enthält einen logischen Denkfehler. Andere Schulen behaupten, dass die zunehmende Kälte in der Gesellschaft, persönliche Probleme des Einzelnen Depressionen auslösen können. Der niedrige Serotoninspiegel dieses Menschen wäre eine FOLGE der schwierigen Lebenssituation des Einzelnen. Nicht dieser löst die Schwermut aus, sondern die Depression verursacht als Korrelat einen niedrigen Serotoninspiegel. Kluge Mediziner wissen, dass ein Mensch, der stark unter Stress leidet, Herzprobleme bekommen kann. Der Arzt wird dem Patienten sagen, er solle Stress meiden. Aufregung bewirkt eine starke Ausschüttung von Adrenalin. Die Aufregung wird körperlich spürbar. Es gibt keine Ausschüttung von Adrenalin ohne Ursache oder auslösendes Moment.
Durch die Überzeugung, es liege an den Genen, wenn ein Mensch depressiv wird, können Probleme des Einzelnen, mangelnde Anerkennung und Zuwendung, gesellschaftliche Missstände zementiert werden. Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Denn nicht auch bestimmte Umweltfaktoren oder ineffiziente kognitive Überzeugungen lösen Depressionen aus, sondern die Gene kommen zum Tragen. Dass Schwermut eventuell auch eine hormonelle Ursache haben könnte, wissen wir durch die postnatale Depression.
Niedergeschlagenheit wird darüber hinaus auch durch die Vorbildfunktion der Bezugspersonen erlernt. Negativ-pessimistische Weltdeutungen können durch Erziehung übernommen werden und zwar auch durch die heimlichen Erzieher in der Gesellschaft. Kognitive Therapien, Verhaltenstherapie, das Erlernen besserer Deutungen und Überzeugungen oder die Beseitigung von Problemen, gesellschaftliches Engagement wärEn überflüssig. Allein die medikamentöSe Behandlung des niedrigen Serotoninspiegels würde alle ProblemE beseitigen. Schwermut als bloßer biochemischer VerkehrsunfaLl des Gehirns.