Gerd Rudolf und Peter Henningsen
Bildzoom Gerd Rudolf und Peter Henningsen
"Stellen Sie sich einmal folgendes Szenario vor: Im Jahr 2030 betritt ein junger Mann eine psychotherapeutische Praxis. Er leidet unter dem ständigen Drang, im 'Metanet' – der Fortentwicklung des Internets – zu surfen. Er führt dort eine zweite, virtuelle Existenz, die er kaum vom echten Leben trennen kann. Er zieht sich sozial zurück, ist oft unruhig. Nach einem ersten Gespräch bringt ihn der Therapeut in einen Nebenraum, wo Hirnscans unter verschiedenen Reizbedingungen gemacht werden. Sie offenbaren, dass der Mann an einer Zwangsstörung leidet, nicht etwa an einer Sucht oder schizoiden Erkrankung. Dann folgt ein Bluttest. Am genetischen Profil des Patienten liest der Behandler ab, welche Medikamente für ihn in Frage kommen. Mehrere Gesprächssitzungen sollen die Behandlung begleiten. Nach sechs Wochen ergeben erneute Hirnscans, dass sich die Aktivierungsmuster im Gehirn des Mannes normalisiert haben. Er hat auch seinen 'Meta­net'-Konsum besser im Griff und ist insgesamt zufriedener. Die Behandlung war offenbar erfolgreich und wird fürs Erste beendet."
Herr Rudolf, Herr Henningsen, für wie rea­listisch halten Sie diese Zukunftsvision? …