Spiegelneuronen I
Spiegel im Gehirn
Die Entdecker der Spiegelneuronen schildern, wie sie diese bemerkenswerten Hirnzellen aufspürten. Sie geben zudem einen Überblick über die neuere Forschung zu dem Phänomen, die Regungen anderer intuitiv zu verstehen.
Vor zehn Jahren hätten die meisten Neurowissenschaftler und Psychologen dahinter einen blitzschnellen Denkprozess vermutet, wenn jemand gleich erfasst, was der andere tut – ja was er zu tun im Begriff ist. Sie stellten sich dieses Verstehen und Im-Voraus-Begreifen von Handlungen anderer so ähnlich wie beim logischen Schlussfolgern vor: Ein komplizierter Kognitionsapparat bearbeitet die eintreffende Sinnesinformation und vergleicht sie mit früheren Erfahrungen ähnlicher Art. Von daher wisse Peter, so hieß es, was Anna vorhat und bezweckt.
Manchmal mag das zutreffen. Besonders wenn das Verhalten einer Person nicht leicht zu deuten ist, muss wohl scharfes Denken einspringen. Doch oft verstehen wir eine Situation ganz leicht und schnell. Sollte da nicht eine andere Ebene eingeschaltet sein?


Giacomo Rizzolatti, Leonardo Fogassi und Vittorio Gallese arbeiten an der Universität Parma (Italien) in der Abteilung für Neurowissenschaften. Rizzolatti ist dort Direktor, Fogassi und Gallese sind außerordentliche Professoren. Gemeinsam mit Luciano Fadiga entdeckten sie in den frühen 1990er Jahren die Spiegelneuronen.
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1. Spiegelneuronen bei Walen
07.03.2007, Jörg Michael, Hannover2. Es gibt keine Spiegelneuronen
13.03.2007, Gerhard Hofmann, MarburgWenn man von Spiegelneuronen als einer „Klasse von Nervenzellen“ (Zitat Artikel) spricht, dann müsste man m.E. erklären, wie sich diese Klasse von den anderen Nervenzellen unterscheidet, also z.B. mehr oder weniger Dendriten, eine andere Art von Synapsen o.Ä.
Sicher, es ist eine erstaunliche Leistung, mit bildgebenden Verfahren Bereiche des Gehirns zu untersuchen und festzustellen, dass bei nachempfundenen Bewegungen ein Teil der gleichen Bereiche von Nervenzellen verwendet werden wie bei selbst initiierten Bewegungen. Aber offen gesagt wundert es mich nicht besonders, denn bevor mein Bein zuckt, würde ich auch erwarten, dass ein Teil der Nervenzellen aktiv ist, die auch sonst für die Bewegung meines Beines zuständig sind. Mir scheint, dass wir nur eine Stufe weiter nach oben gerückt sind und jetzt auch die Folgen der Nachahmung im Gehirn sehen und nicht nur im Körper, oder in der Sprache.
Zitat. „Der Spiegelmechanismus könnte z.B. eine Grundlage darstellen, aus der Empathie erwächst“. Ich sehe keine Erkenntnisse, die diesen Gedanken rechtfertigen oder nahe legen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Empathie ist die Ursache dafür, dass selbst initiierte Handlungen (Sprache, Bewegung) und nachempfundene oder beobachtete Handlungen die gleichen Bereiche im Gehirn aktivieren. Aber was ist dann die Empathie? Es ist sicherlich ein Prozess im Gehirn, aber einer dem wir mit der Entdeckung von so genannten Spiegelneuronen nur wenig nähergekommen sind. Ich persönliche gehe nicht davon aus, dass er lokalisierbar ist, schon gar nicht mit den bildgebenden Verfahren, deren Auflösung sowohl zeitlich als auch räumlich um mehrere Größenordnungen zu grob ist. In dem Artikel wird weiterhin der Eindruck erweckt, als stünden die Spiegelneuronen im direkten Kontakt mit ihren Ebenbildern im anderen Gehirn, als würde nicht über die Sinne ein komplexer Prozess ausgelöst, der schließlich in der Stimulation der entsprechenden Nervenzellen sichtbar wird.
Eine weitere Anmerkung: „Die Reaktion auf diese Szenen war wie erhofft“ heißt es auf Seite 53, mittlere Spalte, unten. Natürlich sind wir alle Menschen und hoffen dass unsere Theorie sich bestätigt. Aber ein Wissenschaftler darf so etwas nicht schreiben. Ein Experiment ist nicht dazu da, eine Theorie zu bestätigen, sondern um der Wahrheit näherzukommen...
3. Keine eigene Neuronenklasse
20.03.2007, Raimund Leistenschneider, SindelfingenDie Indizien dürften sich verhärten, dass sich diese spezialisierten Neuronen – Spiegelneuronen – in gleicher zeitlicher Abfolge wie die soziale Struktur der Primaten entwickelten, bzw. zu deren Durchbruch verholfen haben, wobei in der Tat nicht auszuschließen ist und von der Logik eigentlich davon auszugehen ist, dass auch andere Tierarten, die soziales Verhalten aufweisen, ebenfalls Spiegelneuronen besitzen.
In einer Gruppenstruktur, wie sie sowohl bei Affen besteht, als auch bei Hominiden schon frühzeitig bestand, ist es unabdingbar, das Verhalten anderer zu „erspüren“, um rechtzeitig sein eigenes Verhalten darauf einzustellen. Geschieht dies nicht, können sich hieraus schnell Auseinandersetzungen entwickeln, die den Gruppenerhalt stören oder gar gefährden. Spiegelneuronen dienen damit sowohl dem eigenen Vorteil als auch dem Gruppenvorteil. Zu dieser Verhaltenseinstellung müssen letztendlich die motorischen Areale aktiviert werden. Dass Spiegelneuronen verstärkt in oder in der Nähe von motorischen bzw. prämotorischen Arealen platziert sind, dürfte dies untermauern.
Selbstverständlich verfügt auch der Mensch über Spiegelneuronen und zwar sollten Frauen hiervon mehr besitzen als Männer, was jeder Verheiratete weiß, wenn er z.B. versucht, seiner Frau gefühlsmäßig etwas vorzumachen. Sollte sich bestätigen, dass Spiegelneuronen auch die Sprachentwicklung beeinflussten, ist dies ebenfalls ein Beweis hierfür, da von wissenschaftlicher Seite gelehrt wird, dass sich die Sprache nicht in der Männergruppe (z.B. bei der Jagd), sondern in der Frauengruppe (z.B. bei der Verarbeitung von Gegenständen) entwickelte.
Dass es sich, wie eingangs behauptet, bei Spiegelneuronen um keine eigene Klasse, sondern um ausdifferenzierte Neuronen handelt, lässt sich ggf. aus der Krankheit Autismus herleiten, wenn die neuronale Summenbilanz bei Autisten und bei „normalen“ Menschen (weit gehend) gleich ist und die Neuronen, deren Entwicklung eigentlich für die Spiegelfunktion ausgelegt ist (nicht ausdifferenzierten und dadurch eine geänderte Signalkaskade aufweisen, was eine andere funktionale Aktivität auslöst), für dann anderweitige Aufgaben genutzt werden, die Autisten, aufgrund der bei ihnen dort mehr vorhandenen Neuronen besser beherrschen als „normale“ Menschen.