Im Fokus

Neuro-Enhancement

Mit Tabletten lassen sich nicht nur psychische Störungen bekämpfen. Auch Gesunde könnten damit ihre kognitiven Leistungen verbessern oder ihre Stimmungen steuern. IQ-Pillen, Wachmacher, Glücksdrogen - wie gehen wir mit den Chancen und Risiken von "Neuro-Enhancement" um?
Bevor wirksame Präparate ohne größere Nebenwirkungen verfügbar sind, raten Wissenschaftler zur Vorsicht: Viele der heute existierenden Substanzen, die mancher schon in der Hoffnung schluckt, schlauer oder glücklicher zu werden, sind nicht unbedingt wirksam. Langzeitstudien, die gesundheitliche Schäden eines regelmäßigen Neuro-Enhancements offenbaren könnten, fehlen bislang.

Dennoch dürften Forscher in absehbarer Zeit pharmakologische Mittel entwickeln, mit denen wir sicher und gezielt auf unsere psychischen Eigenschaften einwirken können. Sollten diese Präparate dann frei erhältlich sein? Und falls nicht, welche Gründe sprechen dagegen? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich eine neue wissenschaftliche Disziplin – die Neuroethik. Während manche ihrer Vertreter aus philosophischen Überlegungen heraus etwa die Legalisierung von Halluzinogenen befürworten, warnen andere davor, sich nicht blindlings dem Profitstreben der Pharmaindustrie zu unterwerfen.

Auch wenn effektive Enhancement-Mittel noch ausstehen, sollten wir den Dialog darüber führen, wie wir mit ihnen umgehen wollen – bevor der technische Fortschritt Tatsachen schafft, denen Politik und Gesellschaft dann nur noch hinterherlaufen können. Einen bedeutenden Meilenstein für diese Diskussion stellt das in GuG November 2009 erschienene Memorandum "Das optimierte Gehirn" dar. Darin plädieren sieben führende Wissenschaftler – Psychiater, Philosophen und Juristen – für einen offenen und liberalen Umgang mit den Möglichkeiten des Neuro-Enhancements. Ein Forum für die Diskussion des Memorandums finden Sie auf einer Sonderseite des Blogportals SciLogs: Bloggewitter "Neuro-Enhancement".
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