Die unterschiedlichen Lautsysteme der verschiedenen Sprachen entstanden scheinbar zufällig – und gehorchen dennoch
festen Gesetzmäßigkeiten. Warum, erklärt die Spieltheorie.
Gerhard Jäger ist Professor für Sprachwissenschaft an der Universität Bielefeld.
Wie viele Vokale gibt es im Deutschen? Da wären erst einmal a, e, i, o und u, plus der Umlaute ä, ö und ü. Macht also acht. Ein Phonetiker würde uns allerdings erklären, dass die Dinge noch ein bisschen vertrackter sind. So kann man kurze von langen Vokalen unterscheiden, schließlich klingt das u in »unten« anders als das in »Uhr«, und das betrifft sowohl Länge als auch Lautqualität. Außerdem unterscheiden wir zwar bei den Langvokalen e und ä (etwa »Ehre« und »Ähre«), nicht aber bei den Kurzvokalen: So klingen »sengen« und »sängen« gleich, trotz unterschiedlicher Schreibweise. Dafür gibt es bei den Kurzvokalen noch den Murmelvokal, das so genannte Schwa. Es schreibt sich als e, kommt aber nur in unbetonten Silben vor und wird dahingemurmelt wie das e in »laufen«. Somit kommen wir unter dem Strich auf ein Inventar von jeweils acht kurzen und acht langen Vokalen. Doch wer Fremdsprachen lernt, stellt fest, dass dieses Lautsystem nicht gottgegeben ist
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