Zwar sind 99,9 Prozent der Erbinformationen zweier Menschen identisch. Doch die verbleibenden 0,1 Prozent – die vermeintlich winzigen individuellen Abweichungen – können den Ausschlag darüber geben, ob der Organismus auf eine medizinische Behandlung anspricht oder nicht. Die so genannte personalisierte Medizin versucht dieser Tatsache Rechnung zu tragen. Der ehrgeizige Plan: Diagnose und Therapie nach einzelnen Patientengruppen differenzieren
Personalisierte Psychiatrie
Neue Medizin für die Seele
Menschen mit psychischen Störungen sprechen sehr unterschiedlich auf Medikamente oder andere Therapien an. Mediziner wollen die Behandlung daher möglichst individuell zuschneiden. Zu diesem Zweck suchen sie nach biologischen und genetischen Kennzeichen, so genannten Biomarkern, die Aufschluss darüber geben, was der Erkrankung im Einzelfall zu Grunde liegt - und was sie zu lindern hilft.
Zwar sind 99,9 Prozent der Erbinformationen zweier Menschen identisch. Doch die verbleibenden 0,1 Prozent – die vermeintlich winzigen individuellen Abweichungen – können den Ausschlag darüber geben, ob der Organismus auf eine medizinische Behandlung anspricht oder nicht. Die so genannte personalisierte Medizin versucht dieser Tatsache Rechnung zu tragen. Der ehrgeizige Plan: Diagnose und Therapie nach einzelnen Patientengruppen differenzieren


Christian Wolf ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Wissenschaftsjournalist in Berlin.

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1. Zwei erschreckend einseitige biologistische Artikel
27.11.2011, Frank DählingEs erschien mir bislang undenkbar, über psychische Erkrankungen zu schreiben, ohne sich auch nur einen Absatz lang ganzheitlich mit der Lebenssituation des jeweiligen Betroffenen und damit auch mit sozialen und psychotherapeutischen Gesichtspunkten zu befassen. Auch ich halte den Einsatz von Psychopharmaka bei vielen psychischen Erkrankungen für notwendig und hilfreich. Sicherlich wäre es auch gut, wenn Psychopharmaka irgendwann etwas gezielter eingesetzt werden könnten und das leidvolle Stochern im Nebel für die Betroffenen zurückgefahren werden kann. Die psychotherapeutische und sozialpädagogische Unterstützung von psychisch erkrankten Menschen war schon immer maßgeschneidert und kommt ganz ohne Biomarker aus, und sie sollte auch in Zukunft die zentrale Unterstützung- bzw. Behandlungsform bleiben. Auch wenn mit Psychopharmaka wesentlich mehr Geld zu verdienen ist.
Jedenfalls sehe ich nach diesem Artikel keinen Anlass mehr, mir diese Zeitschrift erneut zu kaufen.