Vor zehn Jahren lieferte das Humangenomprojekt die erste Arbeitsversion
der menschlichen DNA. Damals versprachen die Forscher rasche Fortschritte
bei der Behandlung häufiger Krankheiten wie Diabetes oder Krebs - doch
das hat sich nicht erfüllt. Jetzt streiten die Genetiker über die richtige Strategie,
die überraschend komplexe Funktionsweise des Erbguts zu ergründen.
Stephen S. Hall ist Wissenschaftsjournalist.
Er lebt in New York und befasst sich mit
den Schnittpunkten zwischen Wissenschaft
und Gesellschaft. Seit mehr als 20 Jahren
verfolgt er die Entwicklung des Humangenomprojekts.
Nicht nur Biologen erhofften sich viel vom Humangenomprojekt:
Das drei Milliarden Dollar
teure Unterfangen, das menschliche Erbgut vollständig
zu sequenzieren, versprach eine medizinische
Revolution. Als im Sommer 2000 der amerikanische
Präsident Bill Clinton bei einer Zeremonie im Weißen Haus
eine erste Arbeitsversion des Menschengenoms vorstellte,
prophezeite er: Das Genomprojekt werde "die Diagnose, Vorbeugung
und Behandlung der meisten, vielleicht sogar aller
menschlichen Krankheiten revolutionieren".
Ein Jahr zuvor zeichnete Francis S. Collins die Vision einer
"personalisierten Medizin". Der damalige Leiter des amerikanischen
National Human Genome Research Institute war
einer der engagiertesten Fürsprecher des Riesenprojekts. Bis
zum Jahr 2010, verkündete er, könnten genetische Tests Wirklichkeit
werden, die jedem Einzelnen sein persönliches Risiko
für Herzkrankheiten, Krebs und andere verbreitete Leiden aufzeigen. Auch die individuell maßgeschneiderte Vorbeugung
und Therapie würde dann nicht mehr lange auf sich
warten lassen.
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