Die Fragen stellte Carsten Könneker, Redakteur bei Gehirn&Geist.
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1. Die Seele ist der Mensch selbst!
19.12.2006, Bernd Wimmershoff,SolingenLeider kann man das nicht von allen Übersetzern und Interpretierern sagen!
z.B. in 1. Mos.2:7 b heißt es in der Lutherbibel 1912, 2. Abdruck auszugsweise:
... und also ward der Mensch eine lebende Seele!
In einer neueren Übersetzung heißt es an dieser Stelle noch besser:
... und der Mensch wurde eine lebende Seele.
eine weitere Erklärung lautet in Hesekiel 18:4 , Lb1912:
Denn siehe, alle Seelen sind mein; des Vaters Seele ist sowohl mein als des Sohns Seele.
Welche Seele sündigt, die soll sterben.
oder besser:
Hesekiel 18:4
Siehe! Alle Seelen — mir gehören sie. Wie die Seele des Vaters, ebenso die Seele des Sohnes — mir gehören sie. Die Seele, die sündigt — sie selbst wird sterben.
Stammt die heutige Ansicht über die unsterbliche Seele vielleicht von der Schlange, die zu Eva sagte:
Darauf sprach die Schlange zur Frau: "Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben.
Denn Gott weiß, daß an demselben Tag, an dem ihr davon eßt, euch ganz bestimmt die Augen geöffnet werden, und ihr werdet ganz bestimmt sein wie Gott, erkennend Gut und Böse."
Da sie aber doch starben, musste eine neue Aussage her, um die Behauptung der Schlange "Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben", weiter zu stützen:
die Ergänzung hieß dann aus nicht biblischen späteren Quellen:
Der Mensch hat eine unsterbliche Seele!?
Das Wort (Logos) hat mit Logik oder logisch (folgerichtig) zu tun.
Lügen haben keinen Ewigkeitswert und werden beizeiten entlarft.
Danke für die Erkenntnisse in dem Artikel, durch den Aussagen des Buchs der Bücher mal wieder bestätigt werden!
B.W., SG
2. Von wegen Bestätigung der Bibel
10.01.2007, Ingo-Wolf Kittel, AugsburgDie "historisch-kritische Bibelforschung" hat nach einem ihrer bekanntesten Vertreter - um es vorsichtig auszudrücken – vieles in der Bibel als "kreative Schöpfung" ihrer Verfasser erwiesen. "Kreativ" ist seit jeher auch der Umgang mit der Bibel, und das sogar bis in die wissenschaftliche Forschung hinein, wie man seit einigen Jahre in der Archäologie erkennt. Ein ausgewiesener Kenner wie der Theologe Gerd Lüdemann beispielsweise weist dies in seinem Buch Altes Testament und christliche Kirche - Versuch der Aufklärung am Beispiel der Verwendung des Alten im Neuen Testament nach und die renommierten Archäologen Finkelstein und Silberman am Beispiel ihres eigenen Faches. Hier hatten die ersten "Archäologen mit der Bibel in der Hand" zuerst den Eindruck, den ein Weltbestseller im Titel führt: "Und die Bibel hat doch recht"; weitere Forschungen haben jedoch zu dem Ergebnis geführt, dass viele Funde dazu nicht passen, und sogar manches im Alten Testament als literarische Fiktion erscheinen lassen, wie die beiden Wissenschaftler im Titel ihres Buches bereits andeuten: Keine Posaunen vor Jericho - Die archäologische Wahrheit über die Bibel.
Kreativ geht auch Herr Wimmersdorf mit der Bibel um oder er vermengt vielmehr sein eigenes realistisches Wissen mit ihrem Erzähltext.
In der Paradiesgeschichte, wie sie tatsächlich im Alten Testaments steht (1 Moses, Gen 1,2-3), stirbt niemand: nicht nach dem Verspeisen der "Frucht" vom "Baum der Erkenntnis des Guten und Schlechten" bzw. "von Gut und Böse", wie es traditionell heißt (literaturhistorisch gehört der Apfel m.W. zum Drama Wilhelm Tell), nicht von der Hand Gottes, der (in der üblichen theologischen Deutung) die beiden "Sünder" für die Übertretung seiner, je nach Lesart: Voraussage, Warnung oder Androhung sterben zu "müssen", als Allmächtiger ohne weiteres mit dem Tod bestrafen könnte, ja der Tod von Eva oder Adam - "des Menschen", um den es hier im allgemeinen geht, worauf in allen modernen Bibeln Fußnoten hinweisen - wird nicht einmal erwähnt! –
Reale Menschen sind natürlich sterblich, wie Herr Wimmersdorf aus anderer Quelle, womöglich aus eigener Lebenserfahrung weiß. In der Erzählung (griech. Mythos) vom Paradies geht es nirgends um tatsächliches Sterben; der anfängliche Verweis auf einen Zusammenhang zwischen dem "Essen" vom Baum der Erkenntnis und "Sterben" ist so wenig konkret gemeint, wie es beim "Baum der Erkenntnis" konkret um einen Baum geht. In einer deswegen naheliegenden metaphorischen oder symbolischen – bildlichen – Auffassung ist "der Tod" hier lediglich ein Hinweis darauf, dass dann mit etwas "Schluss ist", und zwar wohl darauf, dass in der Entwicklung von Adam etwas zu Ende geht, wenn er zur Erkenntnis fähig wird. (Mit der Geburt, mit der die Vertreibung aus dem Paradies oft schon assoziiert wurde, kommt "der Mensch" zwar vom Dunkel ins Licht, in dem er sehen und damit sinnlich erkennen kann, wie die Welt ist, womit gleichzeitig Schluss ist mit der Rundumversorgung und dem maximalen Behütetsein im Bauch der Mutter, der alma mater, auf die unser Begriff der Materie zurückgeht. Mit mehr und besseren Gründen kann das Ende des paradiesischen Lebens aber auch mit dem Verlust der kindlichen Naivität durchs Denken assoziiert werden, durch das uns Menschen möglich wird, viel mehr, nämlich über äußerlich sinnlich Erfahrbares hinaus geistig auch Zusammenhänge zu erkennen: das, "was die Welt / im Innersten zusammenhält.") In konsequent symbolischer Deutung erweist sich, dass sich nicht nur die zahlreichen Ungereimtheiten der Paradiesgeschichte auflösen, mit denen man bei ihrer wörtlichen Auffassung konfrontiert ist. Diese wohl berühmteste Geschichte der Welt(geschichte) entpuppt sich dann auch als eine psychologisch verblüffend präzise Beschreibung der psychischen Entwicklung "des Menschen" samt einer genauen Charakterisierung der Eigenart dessen, worauf wir Menschen überaus stolz sind und uns in unserem Leben – heute mehr denn je - am meisten stützen: unser geistiges Erkenntnisvermögen. Dabei erweist sich übrigens das auffällige Bilderverbot im Ersten der Zehn Ge- und Verbote Moses' als der Sinn und vielleicht sogar Zweck der Paradieserzählung: vor der Gefahr zu warnen, mit der Denken verbunden ist, und den Nachteilen, dem Schlechten oder Bösen, zu dem Denken auch führen kann, beispielsweise, wenn man sich an Bilder und Vorstellungen hält, statt sich an der Realität zu orientieren.
3. Der Glaube war schon vorher in die Ecke gedrängt
03.12.2009, Sophie Amrain1. Die Physik und die Biologie haben gezeigt, dass alle Aussagen des Glaubens über Natur und Mensch falsch sind, jedenfalls insoweit sie falsifizierbar waren. Bekannt sind die Aussagen der Bibel zu Entstehung der Welt, der Lebewesen und des Menschen. Ein weniger bekanntes Beispiel: Im AT kann man nachlesen, dass der Wert von Pi 3 beträgt. Nicht 3 und ein bisschen was, sondern exakt 3. Das ist falsch.
2. Bei den geschichtlichen Aussagen ist sehr, sehr viel Erfindung mit einem kleinen möglicherweise historisch richtigen Kern verbunden. Für das Christentum hat das dankenswerterweise die historisch-kritische Bibelforschung gezeigt, für den Islam sind solche Forschungen erst in Ansätzen vorhanden, es zeigt sich bisher aber genau dasselbe Bild.
3. Die Moral ist vermutlich älter als die Religionen. Ein moralisches Empfinden ist unabdingbar für eine Art, die nicht nur ihren Instinkten folgt, als Entscheidungshilfe in allen komplexeren Fragen. Es gibt Hinweise auf moralisches Verhalten bei manchen hoch entwickelten Tierarten. Die menschliche Moral ist in Grundzügen universell, bei gleichzeitig sehr verschiedenen Religionen. D.h. die Fähigkeit zu ethischem (und daher zwangsläufig auch zu unethischem) Verhalten ist ein Bestandteil der Biologie des Menschen.
Alle diese Erkenntnisse waren übrigens schon ohne jede Hirnforschung zu haben. Die Hirnforschung zeigt uns das neuronale Korrelat höherer geistiger Tätigkeiten, zu denen der Glaube gehört. Der Nichtgläubige ist nicht überrascht, der Gläubige rettet sich in die nicht falsifizierbare Transzendenz, jene berühmte Einbahnstraße, auf der die höheren Mächte das Schicksal jeden Sperlings bestimmen können, während es gleichzeitig unmöglich ist, in umgekehrter Richtung irgendeine falsifizierbare Aussage über die Natur der höheren Mächte zu erhalten.