Hirnforschung
Nikotinsucht schon nach einer Zigarette?
Abhängig macht manchmal schon eine einzige Zigarette, vor allem Jugendliche. Von da an wird das Gehirn nie mehr so funktionieren wie vorher – auch nicht bei späteren Nichtrauchern.
Denn weil das Blut erst ab etwa fünf Zigaretten am Tag stets Nikotin enthält, könne sich folglich erst jetzt auch eine körperliche Abhängigkeit entwickeln. Oft würde der Mensch dann schon seit Jahren rauchen, und gewöhnlich brauche es bis zur Sucht ein paar tausend Glimmstängel. In diesem Stadium bekommen Betroffene


Joseph R. DiFranza praktiziert
als Allgemeinmediziner der University
of Massachusetts in Worchester.
Seit Jahrzehnten kämpft er
gegen den Verkauf von Zigaretten
an Jugendliche. Letztlich ist seinen
Forschungen und Anstrengungen
auch zu verdanken, dass die auf
Kinder
gemünzte Camel-Werbung aufhörte.
abrufen





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1. Gut begründbare, wenn auch nicht ganz neue Theorie
23.08.2009, Christian Hornstein, BonnAndere Autoren haben dies später aufgegriffen und teilweise auch mathematisch modelliert. Eine ähnliche Modellierung ist z. B. auch für Alkohol vorgeschlagen worden: die Zweiphasenwirkung von Alkohol (siehe z. B. Lindenmeyer).
Dass Verlangen und nicht Lust im Dopaminsystem und bei Sucht im Zentrum steht, legen verschiedene Befunde nahe (z. B. Berridge, Rolls, Panksepp). Selbst die neuronalen und molekularen Mechanismen, die letztlich hinter den antagonistischen Prozessen stehen, sind mit immer größerer Detaillierung (z. T. auch in SdW) beschrieben worden: kompensatorische Gegenreaktionen an den Synapsen von Ratten (extrazelluläre Konzentration von Dopamin und Serotonin im Nucleus accumbens) nach einer mehrstündigen Dauerapplikation von Kokain, Bedeutung von CREB für die Toleranzentwicklung, von delta-FosB für die Sensitivierung, und über entsprechende Auswirkungen auf die negative Rückkoplung über Dynorphin zwischen Nucleus accumbens und ventralem Tegmentum, die Eigenschaften von Nicotin als MAO-Hemmer d. h. als Antidepressivum.
Insofern ist die Sensitivierung-Homöostase-Theorie von DiFranza inhaltlich zwar nicht ganz neu (ein Hinweis DiFranzas auf die Vordenker wäre m.E. angemessen gewesen), aber durchaus gut begründbar. Und seine Befunde leisten einen wertvollen Beitrag zur Entbagatellisierung des Nikotinkonsums.