Jan Dönges ist Linguist und freier Wissenschaftsjournalist in Heidelberg
Kennen Sie das? Da ringt man sich notgedrungen eine Konversation auf Englisch ab und reiht gefühlsmäßig Patzer an Patzer? Unsicherheit in der Grammatik und die Angst, Fehler zu machen, verleiden manchem gründlich das Parlieren in einem fremden Idiom. Selbst jahrelanger Unterricht konnte nichts daran ändern. So fällt das Versprechen, in Sachen Sprachenlernen endlich alte Zöpfe abzuschneiden, auf fruchtbaren Boden .
Vorausschicken möchte ich ein ehrliches Lob an die Redaktion. Als Abonnentin lese ich Gehirn&Geist mit Begeisterung und freue mich immer schon auf das nächste Heft.
Zum Thema Fremdsprachenlernen kann ich mir aber einen Kommentar nicht verkneifen. Die als neu bezeichnete Methode praktizieren wir an den bayerischen Realschulen seit über 15 Jahren, und unsere Schüler schaffen nach 4 Lernjahren (als wir noch vierstufig waren sogar nach 3) das DELF B1 (= die dritte Stufe des europäischen Referenzrahmens für Fremdsprachen). Für dieses internationale Diplom werden immer die vier Bereiche geprüft: Hörverständnis, Textverständnis, Textproduktion und Sprechfertigkeit, ohne dass dabei auch nur ein einziges Wort in der Muttersprache verwendet wird. Deshalb wird auch im Lehrplan und im Unterricht der Schwerpunkt auf kommunikative Fertigkeiten gelegt. Dass dafür die Strukturen, sprich Grammatik, sichtbar gemacht werden müssen, aber natürlich nicht als Selbstzweck, versteht sich von selbst. Zum Üben, ohne dem es nun mal auch nicht funktioniert, waren die jetzt geschmähten Sprachlabors sehr nützlich, denn wenn man eine Konstruktion zehnmal hintereinander mit verschiedenem Wortschatz gesprochen hatte, dann war sie meist so automatisiert, dass man später bei der Anwendung nicht mehr über den Aufbau (=Grammatik) nachdenken musste. Jetzt muss das Üben eben im Unterricht passieren, indem man möglichst viele Sprechanlässe schafft und die Schüler auch miteinander sprechen und sich gegenseitig kontrollieren lässt.
Der langen Rede kurzer Sinn: Es hat mich gewurmt, dass in dem Artikel wieder mal unterstellt wurde, dass man in der Schule jedenfalls eine Fremdsprache nicht sinnvoll erlernen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Ingeborg Maucksch
(Französischlehrerin an einer Realschule)
Im Lesershop finden Sie alle Hefte und Sonderhefte des Verlags, Sammelordner, Jahres-CD-Roms sowie weitere ausgewählte Produkte rund um Spektrum der Wissenschaft.
Profiling: Wie Kriminalpsychologen arbeiten • Lügen erkennen: Was der Körper wirklich verrät • Psychopathen: Warum sie weder Furcht noch Mitgefühl kennen • Strafrecht: Freispruch mangels... » weiter
Der Science-Shop hält für Sie eine große Auswahl an naturwissenschaftlichen Fachbüchern bereit. Außerdem finden Sie im Science-Shop spannende populärwissenschaftliche Literatur und DVDs, sowie unterhaltsame Spiele und überraschende Spielereien und Geschenkideen.
Nutzen Sie die Chance, und testen Sie jetzt DIE ZEIT! Sie erhalten 5 x DIE ZEIT für nur € 12,00 portofrei ins Haus geliefert. Sie sparen 40 % und erhalten ein Geschenk gratis dazu » weiter
1. Keine neue Methode!
21.02.2008, Ingeborg MauckschZum Thema Fremdsprachenlernen kann ich mir aber einen Kommentar nicht verkneifen. Die als neu bezeichnete Methode praktizieren wir an den bayerischen Realschulen seit über 15 Jahren, und unsere Schüler schaffen nach 4 Lernjahren (als wir noch vierstufig waren sogar nach 3) das DELF B1 (= die dritte Stufe des europäischen Referenzrahmens für Fremdsprachen). Für dieses internationale Diplom werden immer die vier Bereiche geprüft: Hörverständnis, Textverständnis, Textproduktion und Sprechfertigkeit, ohne dass dabei auch nur ein einziges Wort in der Muttersprache verwendet wird. Deshalb wird auch im Lehrplan und im Unterricht der Schwerpunkt auf kommunikative Fertigkeiten gelegt. Dass dafür die Strukturen, sprich Grammatik, sichtbar gemacht werden müssen, aber natürlich nicht als Selbstzweck, versteht sich von selbst. Zum Üben, ohne dem es nun mal auch nicht funktioniert, waren die jetzt geschmähten Sprachlabors sehr nützlich, denn wenn man eine Konstruktion zehnmal hintereinander mit verschiedenem Wortschatz gesprochen hatte, dann war sie meist so automatisiert, dass man später bei der Anwendung nicht mehr über den Aufbau (=Grammatik) nachdenken musste. Jetzt muss das Üben eben im Unterricht passieren, indem man möglichst viele Sprechanlässe schafft und die Schüler auch miteinander sprechen und sich gegenseitig kontrollieren lässt.
Der langen Rede kurzer Sinn: Es hat mich gewurmt, dass in dem Artikel wieder mal unterstellt wurde, dass man in der Schule jedenfalls eine Fremdsprache nicht sinnvoll erlernen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Ingeborg Maucksch
(Französischlehrerin an einer Realschule)