Der Mensch ist ein sonderbarer Affe. Er geht auf zwei Beinen und trägt dabei schwer an seinem großen Gehirn. Doch mit dieser Ausrüstung hat er jeden Winkel der Erde erobert. Wieso sich die Menschenlinie von der Primatennorm so grundlegend abhebt, möchten Anthropologen seit langem verstehen. Die verschiedensten Deutungsvorschläge kamen auf. Doch zunehmend schält sich ein Faktor als wegweisend heraus, der während der menschlichen Evolution wohl stets beträchtlichen Einfluss nahm: die Nahrung. In Abwandlung eines gängigen Spruchs darf man sagen: Der Mensch ist, was er einst aß. In unserer Vorzeit wirkte die natürliche Selektion offenbar dahin, dass unsere Vorfahren sich mit immer weniger Aufwand immer hochwertigere, energiehaltigere Nahrung beschafften. Der Hintergrund dürfte gewesen sein, dass sich für unsere Vorfahren während ihrer Evolution das Angebot an Essbarem fortwährend wandelte.

Darum unterscheiden wir uns auch hinsichtlich unseres Essens von allen anderen Primaten. Im Vergleich zu den Menschenaffen ist unsere Kost wesentlich gehaltvoller an Energie liefernden Nährstoffen – an Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten. Das gilt für menschliche Kulturen mit ganz unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten – für Bevölkerungen, die fast rein von Pflanzenkost leben, ähnlich wie für solche mit überwiegendem Fleischkonsum. Wann schlugen unsere Vorfahren diesen Sonderweg ein? Und vor allem, wie kam es dazu? Um entscheiden zu können, ob wir uns heute richtig ernähren, interessiert auch, wie sehr unser Speiseplan von dem der Menschen früherer Zeiten abweicht.

Diese Frage beschäftigt Ernährungsforscher verstärkt seit Mitte der 1980er Jahre. 1985 erschien in der Wissenschaftszeitschrift »New England Journal of Medicine« ein Artikel über Ernährung in der Altsteinzeit, der Furore machte. Die Autoren, die Anthropologen S. Boyd Eaton und Melvin J. Konner von der Emory-Universität in Atlanta (Georgia), behaupteten, Zivilisationskrankheiten wie Fettsucht, Blut