Evolution
Menschwerdung durch Kraftnahrung
Lange behaupteten Ernährungsforscher, Zivilisationskrankheiten würden deshalb überhand nehmen, weil wir uns anders ernähren als die Jäger und Sammler der Altsteinzeit. Jetzt wird klar, dass die Lage komplexer ist.
William R. Leonard
Darum unterscheiden wir uns auch hinsichtlich unseres Essens von allen anderen Primaten. Im Vergleich zu den Menschenaffen ist unsere Kost wesentlich gehaltvoller an Energie liefernden Nährstoffen – an Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten. Das gilt für menschliche Kulturen mit ganz unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten – für Bevölkerungen, die fast rein von Pflanzenkost leben, ähnlich wie für solche mit überwiegendem Fleischkonsum. Wann schlugen unsere Vorfahren diesen Sonderweg ein? Und vor allem, wie kam es dazu? Um entscheiden zu können, ob wir uns heute richtig ernähren, interessiert auch, wie sehr unser Speiseplan von dem der Menschen früherer Zeiten abweicht.
Diese Frage beschäftigt Ernährungsforscher verstärkt seit Mitte der 1980er Jahre. 1985 erschien in der Wissenschaftszeitschrift »New England Journal of Medicine« ein Artikel über Ernährung in der Altsteinzeit, der Furore machte. Die Autoren, die Anthropologen S. Boyd Eaton und Melvin J. Konner von der Emory-Universität in Atlanta (Georgia), behaupteten, Zivilisationskrankheiten wie Fettsucht, Blut


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