Neue Nervenzellen im erwachsenen Gehirn
Ein lange unumstößliches Dogma ist gefallen: Selbst im Gehirn Erwachsener können sich noch neue Nervenzellen bilden. Diese unerwartete Fähigkeit eröffnet, wenn auch noch viele Hürden zu überwinden sind, neue Perspektiven zur Therapie neurologischer Erkrankungen.
Fred H. Gage und Gerd Kempermann
Das Gehirn eines erwachsenen Menschen vermag eine Schädigung gelegentlich recht effektiv zu kompensieren, indem es neue Verbindungen zwischen noch funktionsfähigen Nervenzellen knüpft. Mehr sei jedoch nicht möglich, waren die meisten Neurowissenschaftler bis vor kurzem überzeugt – denn für eine Selbstreparatur fehlten unserer Spezies die Stammzellen, aus denen neue Hirnneuronen gebildet werden können.
Seit vergangenen November ist dieses Argument nun hinfällig. Peter S. Eriksson von der Sahlgrenska-Univer-sitätsklinik in Göteborg (Schweden) und einer von uns (Gage) vom Salk-Institut für Biologische Studien in La Jolla (Kalifornien) publizierten damals mit einigen anderen Kollegen die aufsehenerregende Neuigkeit, daß das menschliche Gehirn auch im Erwachsenenalter zumindest an einer Stelle noch regelmäßig neue Nervenzellen erzeugt, und zwar im Hippocampus. Diese Hirnregion an der Innenseite beider Schläfenlappen spielt eine wesentliche Rolle bei der Gedächtnisbildung und beim Lernen, ohne der eigentliche Speicher zu sein: Men


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