er Mensch übersteht zahlreiche Blessuren mit bemerkenswerter Leichtigkeit. Ein Schnitt in den Finger – die Wunde schließt sich innerhalb weniger Tage. Ein Beinbruch – der Knochen verheilt gewöhnlich problemlos, wenn die Bruchflächen in die richtige Position gebracht werden. Nicht nur Haut und Knochen, sondern fast alle Gewebe des menschlichen Körpers können Schäden innerhalb gewisser Grenzen selbst reparieren, und das ein ganzes Leben lang. Das verdanken wir zu einem großen Teil sogenannten "Stammzellen". Diese vielseitigen Zellen ähneln denjenigen eines sich entwickelnden Embryos: Auch sie haben die Fähigkeit, sich fast beliebig oft zu teilen und können dabei nicht nur Kopien von sich selbst, sondern eine ganze Reihe verschiedener Zelltypen hervorbringen. Ein Paradebeispiel bieten die blutbildenden Stammzellen des Knochenmarks: Aus ihnen gehen Blutplättchen, rote Blutkörperchen und das breite Arsenal der weißen Blutzellen hervor.

Das Gehirn eines erwachsenen Menschen vermag eine Schädigung gelegentlich recht effektiv zu kompensieren, indem es neue Verbindungen zwischen noch funktionsfähigen Nervenzellen knüpft. Mehr sei jedoch nicht möglich, waren die meisten Neurowissenschaftler bis vor kurzem überzeugt – denn für eine Selbstreparatur fehlten unserer Spezies die Stammzellen, aus denen neue Hirnneuronen gebildet werden können.

Seit vergangenen November ist dieses Argument nun hinfällig. Peter S. Eriksson von der Sahlgrenska-Univer-sitätsklinik in Göteborg (Schweden) und einer von uns (Gage) vom Salk-Institut für Biologische Studien in La Jolla (Kalifornien) publizierten damals mit einigen anderen Kollegen die aufsehenerregende Neuigkeit, daß das menschliche Gehirn auch im Erwachsenenalter zumindest an einer Stelle noch regelmäßig neue Nervenzellen erzeugt, und zwar im Hippocampus. Diese Hirnregion an der Innenseite beider Schläfenlappen spielt eine wesentliche Rolle bei der Gedächtnisbildung und beim Lernen, ohne der eigentliche Speicher zu sein: Men